Erbarmen - Hubertus Oelmann will Deiche sprengen? Drucken E-Mail
Dienstag, 06. September 2005 um 01:00 Uhr
Interview des StEB-Vorstandes in der KÖLNISCHEN RUNDSCHAU

Die Rodenkirchener Bürgerinitiative (BI) Hochwasser befürchtet, Köln könne von einer Flutkatastrophe ähnlich der in New Orleans heimgesucht werden. Christian Deppe sprach darüber mit dem Vorstand der städtischen Entwässerungsbetriebe, Hubertus Oelmann:

Frage: Sind die Befürchtungen der BI begründet?

Oelmann: Die Wahrscheinlichkeit, dass Köln Opfer einer solchen Naturkatastrophe wird, ist statistisch gesehen sehr gering. Die letzte Katastrophe wurde 1784 verzeichnet, als durch ein Eishochwasser ein Pegelstand von 13,55 Meter erreicht wurde. Durch die Erwärmung des Rheins sind Eishochwasser heute ausgeschlossen.

Frage: Auf der Deutsch-Niederländischen Hochwasserkonferenz in Rees wurden kürzlich Überflutungen dieses Ausmaßes für Köln aber nicht ausgeschlossen. . .

Oelmann: Bei dieser Konferenz wurden Szenarien diskutiert, wie sie im ungünstigsten Fall zu erwarten sind. Natürlich können Naturkatastrophen auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Klimaveränderung nirgends auf der Welt ausgeschlossen werden. Und wenn der Pegel aufgrund welcher Ursachen auch immer in Köln über elf Meter steigt, würden Ortsteile wie Niehl, Worringen, Rodenkirchen und andere in ähnlicher Weise überflutet.

Frage: Dann stoßen BI-Forderungen nach Katastrophen- und Evakuierungsplänen, nach weiteren Verteidigungslinien und der Aktivierung vorhandener Retentionsräume bei Ihnen also auf offene Ohren?

Oelmann: Die geforderten Pläne sind bereits vorhanden, und eine zweite Verteidigungslinie wird zukünftig Bestandteil solcher Notfallpläne. Was die Aktivierung vorhandener Retentionsräume angeht: Würde Köln von einem Hochwasser ungeahnter Größe heimgesucht, würden wir auch über die Sprengung von Deichen in unbewohnten Gebieten reden.

Frage: Wie ist es aktuell um den Hochwasserschutz bestellt?

Oelmann: Wir investieren 400 Millionen Euro in den Hochwasserschutz. Zurzeit sind bereits sieben Abschnitte in Bau, weitere sieben Bauabschnitte sollen noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden. In Rodenkirchen, Flittard, Worringen und Zündorf haben wir den Schutz schon erhöht. Das lässt uns bis zu einem Pegel von zehn Metern bereits in diesem Jahr ruhiger schlafen.
Anmerkung:
„Können bei Pegel bis 10 Meter ruhiger schlafen“ - so titelt die KÖLNISCHE RUNDSCHAU den Abdruck ihres Gesprächs mit Oelmann.
Nun - daß nach der forschen Ankündigung, man werde im Falle eines Falles "über Sprengung von Deichen in unbewohnten Gebieten reden", irgend jemand ruhiger schlafen könnte, ist ein frommer Wunsch.
Im Gegenteil: So mancher ist in heller Aufregung
Und es gibt Fragen:
Mit wem soll über Sprengung geredet werden?
Will die Stadtentwässerung das alleine entscheiden?
Wo sind hier bitteschön überhaupt "unbewohnte" Gebiete?
???

(TK) (CHRISTIAN DEPPE KR)

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