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Mehr Wet­­ter-Sicher­heit in den eige­nen vier Wänden

Aug 3, 2021 | Bau­en in Risi­ko­ge­bie­ten, Grund­hoch­was­ser, Hoch­was­ser, Rück­stau, Stark­re­gen

Neu­bau und Bestand: So wird das Haus bes­ser auf zukünf­ti­ge Stark­re­gen vorbereitet

Quel­le — Mün­che­ner Merkur

Die Flut­ka­ta­stro­phe in Nord­rhein-West­fa­len beschäf­tigt noch immer ganz Deutsch­land. Auch in Bay­ern machen sich vie­le Hausbesitzerin­nen und ‑besit­zer Sor­gen um ihre Immo­bi­li­en: Ist das Haus wirk­lich gut gerüs­tet gegen Stark­re­gen? Denn hef­ti­ge Nie­der­schlä­ge wer­den im Zuge des fortschreiten­den Kli­ma­wan­dels voraussicht­lich häu­fi­ger vor­kom­men. Dann braucht es gar kei­nen übers Ufer tre­ten­den Fluss, damit der Kel­ler unter Was­ser steht oder die nied­rig lie­gen­de Gara­ge voll­läuft. Doch sowohl Haus­be­sit­ze­rin­nen und ‑besit­zer als auch angehen­de Häus­le­bau­er und ‑baue­rin­nen kön­nen Vor­keh­run­gen tref­fen, um ihr Heim zu schützen.

Schwach­stel­len ken­nen und beseitigen

Tipps dafür hat Hoch­was­ser­schutz­ex­per­te Rein­hard Vogt: Der Tief­bau­in­ge­nieur lei­te­te 20 Jah­re lang die Köl­ner Hoch­was­ser­schutz­zen­tra­le, war in sei­ner Funk­ti­on als Sach­ver­stän­di­ger welt­weit tätig und enga­giert sich in ver­schie­de­nen Initia­ti­ven zum Hoch­was­ser­schutz. In sei­ner Funk­ti­on als Audi­tor für die Deut­sche Ver­ei­ni­gung der Wasserwirt­schaft berät er Kommunalverwal­tungen bezie­hungs­wei­se deren Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in ganz Deutsch­land zum The­ma Hochwasserschutz.

Laut Vogt gehö­ren überlaufen­de, ver­stopf­te Dach­rin­nen und voll­ge­lau­fe­ne Kel­ler zu den häu­figsten Fol­gen bei Stark­re­gen. „Oft kommt auch über die Terrassen­tür Was­ser in die Woh­nung, be­sonders dann, wenn sie boden­tief ist“, weiß der Exper­te. Befin­de sich ein Gebäu­de in Hang­la­ge, kämen schon auch mal Schlammlawi­nen durch Boden­ero­si­on zustan­de. Auch Gara­gen­über­flu­tun­gen, die immense Kos­ten ver­ur­sa­chen kön­nen, nennt er.

Der von Haus­be­sit­ze­rin­nen und ‑besit­zern am häu­figs­ten vernach­lässigte Pos­ten im Gebäu­de ist laut Vogt das soge­nann­te Rück­stau­ven­til, auch Rück­stau­klap­pe genannt. Wenn bei Stark­re­gen die Stra­ßen­ka­nä­le voll sei­en, entste­he Druck auf die Abwasserleitun­gen, die sich im Haus befin­den. „Wenn man tief­lie­gen­de Sani­tär- gegen­stän­de wie eine Toi­let­te, eine Wasch­ma­schi­ne oder einen Boden­ein­lauf im Unter­ge­schoss hat, dann drückt das Kanal­was­ser in den Kel­ler hin­ein“, erklärt Vogt. Wann immer er Hoch­was­ser­päs­se für Gebäu­de aus­stel­le, fra­ge er als ers­tes nach dem Rück­stau­ven­til. „Oft fin­de ich es unter irgendwel­chem Gerüm­pel“, sagt der Sach­verständige. „Ich wür­de sagen, dass 80 Pro­zent aller Kellerüber­flutungen durch schlecht gewar­tete oder sogar feh­len­de Rück­stau-ven­ti­le zustan­de kommen.“

Licht­schäch­te bes­ser höher einfassen

Auch Kel­ler­fens­ter sei­en eine Schwach­stel­le, weil vie­le nicht dicht­hiel­ten. Für gewöhn­lich las­sen sie sich nach innen öff­nen – dem Druck stei­gen­der Wasser­massen von außen hal­ten sie nur schwer stand. Des­halb rät Vogt, von vorn­her­ein zu ver­hin­dern, dass Was­ser in den Licht­schacht hin­ein­kommt, zum Bei­spiel mit­hil­fe spe­zi­el­ler Auf­sät­ze aus Kunst­stoff. „Im Baye­ri­schen Wald habe ich auch Licht­schäch­te mit einer nach­träg­li­chen klei­nen Ummaue­rung gese­hen“, erin­nert sich Vogt. Wer neu baue, kön­ne von vornhe­rein auf höhe­re Licht­schacht­ein­fas­sun­gen achten.

Allen, die einen Haus­bau pla­nen, rät der Exper­te zu einer Ge­fährdungsanalyse bei­spiels­wei­se bei der Erstel­lung eines Hoch­wasserpasses. Das soll­te noch wäh­rend der Pla­nungs­pha­se ge­schehen, so kön­ne man näm­lich her­aus­fin­den, wo es unterschied­liche Abfluss­we­ge gebe. Man­che Kom­mu­nen ver­fü­gen auch über soge­nann­te Fließ­we­ge­kar­ten, de­ren Kon­sul­ta­ti­on mit in die Bau­planung ein­flie­ßen soll­te. „Man muss zum Bei­spiel ent­schei­den, wo man baut, ob man tief­lie­gen­de Fens­ter macht und wie man die Was­ser­dich­tig­keit sicher­stellt“, sagt Vogt. „Hilf­reich ist es auch, sich anzu­se­hen, wie unse­re Vor­fahren gebaut haben – näm­lich mit einer Vor­stu­fe. Man kann zum Bei­spiel die Ober­kan­te einer au­ßenliegenden Kel­ler­trep­pe erhöhen.“

Ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en berücksichtigen

Wer einen Kel­ler pla­ne, kön­ne auf eine soge­nann­te Wei­ße Wan­ne aus was­ser­un­durch­läs­si­gem Beton set­zen. Hier­bei sei es natür­lich wich­tig, dass auch sämt­li­che Zulei­tun­gen zum Haus sta­bil und was­ser­dicht instal­liert wür­den. Vogt rät außer­dem, einen per­sönlichen Alarm- und Ein­satz­plan zu erstel­len, der im Ernst­fall eine schnel­le Reak­ti­on auf eintreten­des Was­ser gewähr­leis­ten kön­ne. Gut sei bei­spiels­wei­se ein Schal­ter im ers­ten Geschoss, mit dem der kom­plet­te Strom im Kel­ler abge­schal­tet wer­den kön­ne – und ergän­zend dazu eine Notbeleuch­tung, damit man die im Plan fest­gelegte Eva­ku­ie­rung des Kel­lers schnell vor­neh­men und mit dem Abpum­pen des Was­sers begin­nen kön­ne. „Übri­gens sind Steckdo­sen und Licht­schal­ter im Kel­ler meist viel zu nied­rig ange­bracht“, merkt der Exper­te an. Sie soll­ten bes­ser auf einer Höhe von 1,70 Metern instal­liert wer­den. Wich­tiges Hab und Gut sei auf höher lie­gen­den Reg­al­bö­den bes­ser auf­gehoben als in Bodennähe.

Das Was­ser immer vom Haus wegleiten

Auch die Gara­ge kön­ne man vor Stark­re­gen schüt­zen, beispielswei­se mit einem Rasen­git­ter in der Ein­fahrt anstatt einer asphaltier­ten Flä­che. „Eine klei­ne Schwel­le kann Sinn machen, bei tie­fer lie­genden Gara­gen rate ich zu einer Auf­fang­rin­ne“, sagt Vogt. Gene­rell hebt er her­vor, dass es am wich­tigs­ten sei, das Was­ser bei Starkre­gen vom Haus weg zu lei­ten – je­doch nicht in die wahr­schein­lich ohne­hin über­las­te­te Kana­li­sa­ti­on, son­dern bes­ser in den Gar­ten. Dort mach­ten Ver­si­cke­rungs­be­rei­che wie ein Teich mit zusätzli­chem Kies­bett im äuße­ren Bereich Sinn. Wer sich mit den Nach­barn und Nach­ba­rin­nen gut ver­ste­he, kön­ne sich mit ihnen zusammen­tun und gemein­sam einen grö­ßeren Teich oder zumin­dest eine Ver­si­cke­rungs­mul­de über mehre­re Grund­stü­cke hin­weg anle­gen. Auch eine gemein­sa­me Mau­er vor dem Haus, deren neur­al­gi­sche Stel­len bei Stark­re­gen abge­dich­tet wer­den kön­nen, sei­en eine Über­legung wert.

Vogt betont, dass Stark­re­gen grund­sätz­lich jeden tref­fen kön­ne. Die Kos­ten für Vor­keh­run­gen bei einem Neu­bau oder even­tu­el­le Nach­rüs­tun­gen sei­en im Ver­gleich zu mög­li­chen Stark­re­gen­schä­den nicht zu hoch – zumal es auch güns­ti­ge Alter­na­ti­ven für findi­ge Heim­wer­ker gebe. Bei den im Han­del erhält­li­chen Pro­duk­ten zum Was­ser­schutz für das Haus gebe es aber lei­der „jede Men­ge Schrott“. Des­halb erar­bei­tet Vogt der­zeit mit dem Ver­band der Sach­versicherer eine Zer­ti­fi­zie­rungs-metho­de für Schutz­ele­men­te wie was­ser­dich­te Türen, Kel­ler­fens­ter oder soge­nann­te mobi­le Wände.

MARi­oN  BRANDsTETTER