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„Sicherheits“- Illusion am Rhein?

Jun 3, 2014 | allgemein

Die Risikokarte (Stand 2013) zeigt deutlich die Gefährdung: Nur wenige "weiße Flecken" in Köln-Weiß und Sürth bleiben voraussichtlich verschont. (Quelle: flussgebiete.nrw.de; bearbeitet: BI Hochwasser)
Wird eine Überflutung überhaupt noch ernsthaft für möglich gehalten? Im Verlauf der Vorbereitung der heutigen gemeinsamen Veranstaltung mit dem internationalen Masterstudiengang „Geography of Environmental Risks and Human Security“ der Universität Bonn und der United Nations University ist doch aufgefallen:

Das Interesse der Medien ist nahe null

Der örtliche Rodenkirchener Bilderbogen (KBB; erscheint monatlich) hat als einziger sofort angeboten, einen Vorbericht zu publizieren. Die beiden seriösen Tageszeitungen Kölns mußten erst „bekniet“ werden, der WDR reagierte überhaupt nicht…

Wir (und nicht nur wir allein) registrieren eine seit Jahren schwindende Sensibilisierung hier am Niederrhein, und das trotz der laufenden Umsetzung der europäischen Hochwasser-Richtlinie (EG-HWRMRL), die 2007 eigentlich beschlossen wurde, um die Situation in den Risikogebieten nachhaltig zu entspannen. Nach unserer Einschätzung wird die von der EU geforderte Risikominderung ohnehin ein Flop, weil der ehrgeizige Plan sehenden Auges vor die Wand gefahren wird.
Dennoch, Hoffnung ist bekanntlich immer – und das ist einer der stärksten Antriebe unserer Bürgerinitiative.

Dabei gibt es doch Gründe genug, beständig – also immer wieder – über das verborgene Risiko zu informieren und so einen Beitrag zur Sensibilisierung und Verrringerung der Vulnerabilität (gesellschaftliche Verletzlichkeit) zu leisten:

  •    Erhaltung eines Risikobewußtseins trotz jahrelanger „Sicherheit“ (Wir hatten in Köln immerhin seit 1995 kein wirklich bedrohliches Hochwasser mehr – wenn man von den knapp neuneinhalb Metern im Januar 2003 mal absieht -, während um uns herum mit Vehemenz die Nachbarn absaufen (Italien, Großbritannien, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt, aktuell Serbien)
  •     Sorge um die zahlreichen Neubürger*innen, die inzwischen dem Ruf an den Rhein folgen, in der Regel keine eigenen Hochwassererfahrungen haben und im Wortsinne „arglos“ sind
  •     Mahnung an Politik und Verwaltung, die trotz gegenteiliger Beteuerungen weiter neue Bauplanungen/Baugenehmigungen im Gefahrengebiet aktiv vorantreiben und in der Regel die Aufklärung über die Risiken aus Standortüberlegungen heraus unterlassen
  •     Verantwortung und mediale „Daseinsvorsorge“ für ein „gutes Leben in Europa“ (- hat das nicht mal die Kanzlerin so ähnlich gesagt?)

Gerade angesichts der aktuellen Ereignisse in Serbien wäre doch ein beherztes Anklopfen bei den „rhein-anwohnenden“  Bürgerinnen und Bürgern nicht schlecht und Ausdruck einer medialen Sensibilisierung.

Die Bedrohungen der Fluten von 1993 und 1995 liegen nun schon lange zurück. Und alle fühlen sich so gerne so sicher, bis…
Ja –  bis es wieder mal zu spät ist und alle laut klagen, warum man denn nicht vorher…

Deshalb ist die Initiative der Universität Bonn / UNU-EHS, insbesondere der Veranstalterin des Studiengangs, Frau Prof. Dr. Sabine Tröger, hoch bedeutsam, weil sie mit ihren Studierenden ins „Feld“ geht und nicht nur die Ausbildung in der Praxis verankert, sondern nebenbei auch die potentiell Betroffenen einbezieht und so einen Beitrag zur Bewußtseinsbildung leistet.

[Anschreiben des Studiengangs an die Bürger*innen im Kölner Süden HIER]

Siehe auch: NEWS zu Vorsorge und neuen Bebauungsplänen in Köln > In Verbindung stehende Artikel