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Haus­boo­te statt Häu­sern auf Stelzen

Jul 9, 2018 | all­ge­mein

4 Fra­gen an Hen­ning Werker — Köl­ner Stadt-Anzei­ger 09.07.2018.

Der Vor­schlag des Köl­ner Haus­ und Grund­be­sit­zer­ver­eins, mehr Bau­land auch in Rhein­nä­he zu schaf­fen, hat aus Sicht von Hen­ning Werker, Lei­ter der Hoch­was­ser­schutz­zen­tra­le bei den Stadt­ent­wäs­se­rungs­be­trie­ben Köln (StEB), kei­ne Aus­sicht auf Erfolg.

Herr Werker, soll­te in den Randbe­zirken der Stadt mehr Bau­land zur Ver­fü­gung  ste­hen, um dar­auf dann etwa Stel­zen­häu­ser in Rhein­nä­he er­richten zu können?

Ich bin der Mei­nung, dass man bei der Abwä­gung sol­cher Ideen sehr sorg­fäl­tig vor­ge­hen soll­te. Anders als etwa in den Nie­der­lan­den gibt es hier kei­ne Kul­tur des Woh­nen auf dem Was­ser. Die Errich­tung von Häu­sern auf Stel­zen bedeu­tet, dass man auf Flä­chen baut, die zu­mindest in unre­gel­mä­ßi­gen Ab­ständen von Was­ser über­flu­tet wer­den. Das soll­te man nur tun wenn unbe­dingt not­wen­dig, denn es birgt erheb­li­che Risi­ken und ist an Vor­aus­set­zun­gen gebunden.

Die Stadt wächst, Wohn­raum ist knapp — was spricht denn gegen die Nut­zung sol­cher Flächen?

Zunächst mal muss der Nach­weis erbracht wer­den, dass die Bebau­ung kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Gewäs­ser hat, in die­sem Fall auf die Aus­brei­tung des Rheins bei Hoch­was­ser. Jedes Hin­der­nis, das die natür­li­che Fließ­be­we­gung an einer Stel­le ein­schränkt, ver­än­dert die Eigen­schaf­ten des Gewäs­sers an einer ande­ren. Das könn­ten Inge­nieu­re tech­nisch zwar womög­lich neu­tral lösen, trotz­dem gilt die Maxi­me, so etwas nur dort zu tun, wo es stadt­pla­ne­risch unum­gäng­lich ist — etwa Anle­ger für einen Hafen oder eine Sta­ti­on der Was­ser­schutz­po­li­zei am Fluss.

Im dem Fall geht es um Umwid­mung von Land­schafts­schutz­ge­bie­ten in Bau­land — für den Ver­ein eine visio­näre Her­an­ge­hens­wei­se für die Ge­staltung des Flächennutzungsplans.

span>Aus mei­ner Sicht aber eine fal­sche. Wir müs­sen bereits jetzt bei jedem Hoch­was­ser die Sicher­heit von 400 bis 500 Köl­nern organi­sieren, etwa in Feld­kas­sel oder Poll. Die­se Men­schen woh­nen aber his­to­risch gewach­sen in die­sen Berei­chen. Wohn­be­bau­ung auf Über­flu­tungs­flä­chen schafft ein Risi­ko für das Leben der Men­schen, und selbst ohne einen Aus­nahmezustand gäbe es vie­le orga­nisatorische Hür­den — von der Ab­­was­ser- bis zur Stromversorgung.

Ein Bei­spiel ist die Erwei­te­rung der Pla­nung für den neu­en Stadt­teil Kreuz­feld bis nahe an den Rhein. Ist es nicht Zeit umzu­den­ken und sich eine neue Wohn­kul­tur anzueignen?

Ich hal­te das für zu gefähr­lich. Bei­spiel Worrin­ger Bruch, denn das dürf­te beim Stich­wort Kreuz­feld ja eine der ange­dach­ten Flä­chen sein. Das Bruch ist einer der tief­lie­gends­ten Flä­chen Kölns — bei Hoch­was­ser oder Stark­re­gen ein klas­si­sches Über­flu­tungs­ge­biet. Men­schen­le­ben sind wich­ti­ger als Wohn­raum, außer­dem erfül­len die Über­schwem­mungs­flä­chen in di­rekter Fluss­nä­he als Teil der grü­nen Lun­ge Kölns eine wich­ti­ge öko­lo­gi­sche Funk­ti­on. Die wäre gefähr­det. Wenn man unbe­dingt noch näher am Was­ser leben will als jetzt, dann wür­de ich lie­ber Haus­boo­te statt Stel­zen­häu­ser empfehlen.

 

Das Gespräch führte

Ingo Hinz