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Pegel Köln vom 14.12.2018
302.00 cm Ganglinie Aktuell | Pegelarchiv
Letzter Stand: 06:30 Uhr
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Chronik

Die erste Gruppe der Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen bildete sich spontan noch während des "Weihnachtshochwassers" 1993, in dessen Verlauf das Viertel um die Wilhelmstraße meterhoch überflutet wurde. Die Stadtverwaltung hatte sich wie die betroffenen Bürger verkalkuliert, und während diese paralysiert in das Chaos blickten, fehlte der Stadt der nötige Mut  zur Improvisation, die - wie wir heute wissen - erfolgreich gewesen wäre.
(Bilder vom Hochwasser 1993)
Überwogen zunächst Trotz, Wut und Verzweiflung auch ob der Schäden, die sich in diesem kleinen Gebiet zu mehreren Millionen DM summierten, so wurde doch bald klar, daß auf lange Sicht nur die Förderung der Solidarität der Betroffenen und die kritische Zusammenarbeit mit der Stadt Köln eine erfolgreiche Strategie abgeben würde. Doch auch der lautstarke öffentliche Protest zeigte Wirkung: Das Hochwasser im Januar 1995 ging an der Wilhelmstraße und den angrenzenden Gassen schadlos vorüber, die Stadt hatte für optimalen Schutz gesorgt. Für andere im Stadtbezirk aber nicht, und so schlossen sich Initiativgruppen aus den Ortsteilen Sürth, Weiß, dem Malerviertel und dem Auenviertel mit der Initiative aus Rodenkirchen im März 1995 zu einem gemeinnützigen Verein zusammen (alle zur früher selbständigen Gemeinde Rodenkirchen zählend). Inzwischen vertritt die Bürgerinitiative - über angeschlossene Bürgervereine und Hauseigentümergruppen - die Hochwasserschutz-Interessen von weit über 3000 Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Kölner Süden.

Mit insgesamt 12,5 Kilometern - vom Strom-km 671,0 (Godorf / südliche Stadtgrenze) bis km 683,5 (Rodenkirchener Autobahnbrücke) am linksrheinischen Ufer "besitzen" wir nicht nur einen der längsten, sondern auch einen der problematischsten Schutzabschnitte in ganz Köln:

  • Aufgrund des weit nach Osten ausholenden Weißer Rheinbogens droht bei Pegelständen über 11,00 m Kölner Pegel, daß der Strom eine Abkürzung durch die Wohngebiete nimmt und dabei durch extreme Fließgeschwindigkeiten verheerende Schäden verursachen kann.
  • Das Gebiet gehört neben der Altstadt zu den im Hochwasserschutzkonzept am schlechtesten geschützten Gebieten: Ursprünglich sollte das Auenviertel nur auf 10,00 m bzw. 10,70 m geschützt werden, der Rest auf 11,30 m - gegenüber 11,90 m im überwiegenden Teil des Kölner Stadtgebietes. Dann war es durch beharrliches Argumentieren und Suchen von Verbündeten gelungen, eine geplante Minimalschutzhöhe von 10,70 m Kölner Pegel durchzubringen (entsprechend einem Hochwasser von momentan etwa 20jährlicher Wiederkehr).
  • Die weitere technische Entwicklung mobiler Schutzsysteme und die Erkenntnis, dass eine erste Verteidigungslinie (Uferstraße, 10,70 m KP) und eine zweite Linie (Auenweg; 11,30 m KP) teurer würde als eine vernünftig hohe erste Linie, brachte den Durchbruch: Einheitlicher Schutz für das Auenviertel von 11,30 m KP.
  • Doch die Planung zieht sich hin ...

Die Bürgerinitiative hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Vorschläge für Schutzmaßnahmen primär auf ihre Effektivität zu prüfen, (fast) alles für möglich zu halten und kein Experiment zu scheuen. Unnötig zu erwähnen, daß uns die Stadt Köln auf diesem Weg, wenn überhaupt, so doch nur recht zögerlich folgen möchte.

Was haben wir bisher erreicht / geleistet?
  • Ausführliche Stellungnahme und Aufstellung konkreter Forderungen zum Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln
  • Minimale erste Nachbesserungen des Hochwasserschutzkonzepts, vor allem Vorschläge für ungenutzte Rückhalteräume auch und gerade im Kölner Stadtgebiet.
  • Gezielte, teilweise recht erfolgreiche Medienarbeit
  • Informationsveranstaltungen für unsere Nachbarn in den Vierteln, zum Teil in Kooperation mit der Bezirksvertretung
  • Informeller Zusammenschluss von Initiativen und Bürgervereinen zur "Hochwasserschutzgemeinschaft Köln" HWSG (1996)
  • Mitbegründung der "Hochwassernotgemeinschaft RHEIN" HWNG, eines Zusammenschlusses gefährteter Kommunen am Rhein unter Mitarbeit von Bürgerinitiativen (1996)
  • Überwiegend produktive Zusammenarbeit mit Hochwasserschutzzentrale und Dienststellen der Stadt
  • Bereitstellen konkreter Hilfen für die Mitbürger beim 1995er Hochwasser, nicht zuletzt durch Koordinierung des Einsatzes der Bundeswehr und gute Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen
  • Herausgabe einer Mitgliederinformation "Die Pegellatte", die über die Initiative hinaus Beachtung findet
  • Erste Verhandlungen mit der Bezirksverwaltung (Stadtbezirk 2) mit dem Ziel einer institutionalisierten Zusammenarbeit im Hochwasserschutz
  • Weitere überregionale Kontakte (Deutsches IDNDR-Komitee zur Katastrophenvorsorge) [IDNDR = Internationale Dekade der Vereinten Nationen zur Eindämmung von Naturkatastrophen 1990 -2000]
  • Test des genialen schwedischen AQUA-BARRIER Notwandsystems auf den Rodenkirchener Rheinwiesen. Ein erfolgreicher Freilandversuch unter realistischen Bedingungen, der nicht ohne Folgen bleiben wird! (1997)
  • under construction ...

Ein Forderungspapier, das wir im Oktober 1995 anläßlich einer von den Bündnisgrünen organisierten Hochwasser-Fachtagung im Gymnasium Rodenkirchen ausformuliert haben, kann heute noch uneingeschränkt gelten:

Die Bürgerinitiative Hochwasser Rodenkirchen hat sich zum Ziel gesetzt, einerseits beim Hochwasserschutz in Köln mitzwirken, ohne dabei die Interessen anderer Betroffener außer Acht zu lassen, und andererseits alle Anstrengungen zu unterstützen, um die Ursachen von Überschwemmungen zu bekämpfen.

Unsere Forderungen sind :

im Bereich Vorbeugung(aktiver Hochwasserschutz):

  • sofortige Realisierung aller vertraglich zugesicherten Retentionsflächen im Oberrheingebiet (falls notwendig, unter Ausschöpfung aller Rechtsmittel). Hierzu müssen die politisch Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen ihre gleichgültige Haltung aufgeben und endlich angemessen aktiv werden, mit dem Ziel, die Auswirkungen der Oberrheinregulierung abzumildern, die mittlerweile regelmäßig zu einem Zusammentreffen der Hochwasserwellen der Nebenflüsse mit der des Rheins führen. Allgemein soll das Prinzip der regionalen Hochwasser"bewirtschaftung" greifen: Hochwasser müssen dort bekämpft werden, wo sie entstehen.
  • wirkungsvolle Koordinierung aller Vorhaben in Bereich des Rheineinzugsgebietes, die Auswirkungen auf den Wasserabfluß haben (Bund? / Bund-Länder-Kommission?)
  • Rücknahme bzw. Rückbau von Fehlentscheidungen der Vergangenheit
    konsequente Abkehr von Fehlentwicklungen wie Bachbegradigungen, Bodenversiegelung usw.
  • Vorrang für Regenwassernutzung und -versickerung
  • Anwendung des Verursacherprinzips für die Erstattung der Hochwasserschäden und der Kosten für passive Schutzmaßnahmen bei den Unterliegern

im Bereich Schutzmaßnahmen (passiver Hochwasserschutz) im Raum Köln:

  • Ausbau der Schutzhöhe auf das Bemessungshochwasser HQ200 (z.Zt. 11,90 m KP) uneingeschränkt für alle historisch gewachsenen Siedlungsgebiete
  • Verbot der Ausweitung der Bebauung in überschwemmungsgefährdeten Gebieten, in Einzelfällen sogar Rückführung von Bauland in Auenfläche (sicher sehr schwierig)
  • Ersatz von wegfallenden Überflutungsflächen mindestens in gleichem Umfang, damit keine Nachteile für Unterlieger entstehen
  • Ansetzen einer angemessenen Kostenbeteiligung für Industrieanlagen, die zur Abwehr von Umweltgefahren, die von eben diesen Anlagen ausgehen, besonders aufwendig geschützt werden müssen.

Da auf dem Gebiet des vorbeugenden Hochwasserschutzes außer verbalen Beteuerungen bisher so gut wie nichts in Bewegung gekommen ist, muß notgedrungen weiterhin primär auf den passiven Schutz gesetzt werden ("jeder hilft sich selbst auf Kosten der Nachbarn"), obwohl dies auf lange Sicht unsinnig und mit erheblichen Eingriffen in Bausubstanz und Erscheinungsbild der Städte erkauft wird.
Wir sind uns dieses Dilemmas wohl bewußt.
Wir haben es jedoch weder herbeigeführt, noch vermögen wir es allein aufzulösen.
Solange grundsätzlich Verwertungsinteressen und Gewinndenken die Priorität vor dem Grundprinzip nachhaltigen Wirtschaftens behalten, wird sich die Situation nicht ändern.


Ein großer erster Erfolg der Arbeit der Bürgerinitiative war der Einsatz des Notwandsystems AQUA BARRIER im Februar 1999, bei dem die Häuser entlang der Uferstraße (bis zur Roonstraße) erstmals trocken blieben (8,88 m KP)
Der einfache und obendrein preiswerte Sandsack-Ersatz war im Sommer 1997 auf Initiative der BI mit Unterstützung des TWH, der Freiwilligen Feuerwehr Rodenkirchen und des damaligen Importeurs am Rhein unmittelbar unterhalb der Uferstraße erprobt worden - mit überzeugendem Erfolg.


Im Januar 2004 konnte die BI ihr zehnjähriges Bestehen feiern; Grund genug für eine beeindruckende Zwischenbilanz 10 Jahre BI

Und am 8. Juni 2004 war dann der feierliche Baubeginn der Arbeiten im PFA4 (Uferstraße) mit dem unvermeidlichen Drücken des roten Knopfs durch NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn... Die Umsetzung eines der wichtigsten Abschnitte des Kölner Hochwasserschutzkonzepts in unserem Bereich hatte begonnen und sollte zügig weitergeführt werden


----------------------Stand Juni 2004-----------------------