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Pegel Köln vom 14.12.2018
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Presseinformation zum Hochwasser 1999

Mittwoch, 24. September 2008 um 09:58 Uhr

Presseinformation zum Rheinhochwasser  8,88m Kölner Pegel              23.02.1999

Dass das „Notwändchen“ von Aqua-Barrier  eine gute Sache ist, darüber brauchen nicht mehr viele Worte verloren werden, außer dass es schon 1997 hätte eingesetzt werden können (wie von der Bürgerinitiative damals gefordert).

Jedoch - bei aller Gelassenheit gegenüber dem augenblicklichen Hochwasser - dies sind nicht die Probleme. Hier werden nur Symptome kuriert!

Vorbeugender nachhaltiger Hochwasserschutz ist hundertmal wirksamer, wie die aktuelle Öffnung der Polder am Oberrhein zeigt. Leider wirken diese aber nur bis etwa Mainz.

Wir fordern: Nicht immer nur von den weit entfernten Oberliegern das Richtige fordern, sondern selber etwas tun!

Also:

  • Polder in der Nähe schaffen! Auch wenn die Räume eng sind.   Was ist denn seit 1993 geschehen?  Man macht Pläne, und auch das nur halbherzig und schleppend. Und während alle im Augenblick voller Hoffnung rheinaufwärts blicken, werden potentielle Überflutungsräme hier in Köln gerade im Moment zugeschüttet - und keiner schaut hin!
  • Wer sucht angestrengt nach vielen kleinen Poldern von Köln bis Koblenz (im Bereich der Siegmündung, Andernach, Neuwied…) Offensichtlich niemand! Und wer macht sich etwa langfristig Gedanken, die zahlreichen Industrieanlagen aus den Überschwemmungsgebieten herauszunehmen, zwecks Polderbau?  Ebenfalls Fehlanzeige.
  • Die Nebenflüsse (Sieg, Lahn, Mosel, Nahe…) und vor allem deren Zuflüsse müssen schleunigst hochwassermindernd renaturiert werden und es müssen z.B. zahlreiche Flutmulden (Kleinretentionsräume) angelegt werden.   Derzeit geschieht nichts!
  • Bodenversiegelung und dezentrale Regenwasserversickerung - außer ein paar Vorzeigeprojekten tut sich nichts. Die entsprechenden Landesgesetze sind absolut lasch und bei Sanierungen oder Umbauprojekten werden die Kommunen sogar ermuntert, Regenwasserversickerung zu verhindern!  Bestehendes Baurecht wird nicht geändert, sondert als Vorwand zur Fortsetzung der früheren Sünden missbraucht.
  • Die hochwasserverschärfende Bebauung (abschreckendes Beispiel: Schokoladenmuseum) innerhalb des Rheinabflusses wird nicht reduziert, sondern munter vorangetrieben (Rheinauhafen, „Anrheiner“, Godorfer Hafen).
    Im Bereich der Innenstadt werden Deiche vor-  statt zurückverlegt.
    Die gesetzlich vorgeschriebene Freihaltung des Rheinbetts von Bewuchs wird durch Nichtstun torpediert.
  • Für die Bequemlichkeit der Schifffahrt wird der Abfluss des Rheinwassers durch Querbarrieren („Kribben“) behindert. Durch den Bau von Parallellelwerken soll die Situation noch verschlimmert werden. Angeschwemmte Kiesbänke werden nicht ausgebaggert.
  • Der Regierungspräsident hat ohne Beteiligung der Öffentlichkeit die Überschwemmungsgebiete willkürlich festgesetzt und damit zahlreiche potentielle Retentionsräume „erledigt“.

 

Jeder dieser Kritikpunkte könnte auf Dauer Pegelentlastungen im Dezimeterbereich bringen. Aber wer will schon heiße Eisen anfassen, vor allem dann, wenn es eigene Opfer erfordert.  „Es kommt auf jeden Kubikmeter an“ hat Herr Oelmann vor einem Jahr gesagt. Recht hat er!

Wir warten auf Taten.  Jetzt!  In Köln.  In Düsseldorf.  In Bonn-Berlin.

Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen   23.02.1999