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Pegel Köln vom 19.11.2019
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NRW-Wirtschaftsminister wiegt Rheinanlieger in falscher Sicherheit

06.06.2013 (ZDF): Minister Garrelt Duin bei Maybrit Illner mit ahnungsloser Schönfärberei

Im deutschen Fernsehen: Märchenstunde

In der Fernseh-Plauderstunde ging es eigentlich um das Thema: "Teuer, nutzlos, falsch geplant..." Aber natürlich konnte man sich den populistischen Quotenschlenker auf die aktuelle Hochwasserkatastrophe und den Auftritt der Kanzlerin in Bitterfeld nicht verkneifen. Schließlich war heute dort schnelle Hilfe versprochen worden. Fragte Frau Illner den NRW-Wirtschaftminister, ob die Politik lieber Großprojekte mache als lästigen Hochwasserschutz.

Hier die originale Äußerung des Ministers: "Wir haben in den 90ern in NRW ganz schwere Flutkatastrophen gehabt. Damals ist sehr viel Geld investiert worden...(meint dann, der Rhein sei aktuell nicht betroffen).. Aber WENN der Rhein betroffen wäre, wäre man auch entsprechend gewappnet, weil man die Maßnahmen getroffen hat, um sehr schnell entsprechende Schutzwälle aufbauen zu können oder auch Flächen inzwischen vorzuhalten, auf denen das Wasser sich ausbreiten kann".

Komplett falsch (und es stellt sich die Frage, wer den Minister berät):

1. NRW ist gegen ein statistisch 100jährliches Rhein-Hochwasser im Süden und ein 200jährliches im Norden leidlich gerüstet, was die Schutzlinien anbelangt. Allerdings sind wichtige Deichabschnitte auch nach 20 Jahren immer noch nicht sicher. Bei einem Hochwasser vom Kaliber der Flut an der Donau oder Elbe hat NRW keine Chance. Es sähe bei uns hier nicht den Deut besser aus - eher schlimmer (wegen der Siedlungs- und Industriedichte).

2. Die wenigen Ausbreitungsflächen (oder Deichrückverlegungen), die in NRW am Rhein bisher realisiert wurden, wären angesichts einer vergleichbaren Flut nicht nur zu wenig, sie sind irrelevant.
Weitere Planungen sollen frühestens ab 2030 mal überlegt werden, weil ja die Klimafolgen noch so unsicher wären (Aussage "Hochwasserschutzkonzept NRW"). Stromaufwärts von Köln stehen gerade mal 3,7 Mio m³ Raum (bei HQ100) bereit, mindestens 50 Mio wären nötig - am unteren Niederrhein entsprechend mehr.

Es gibt nicht den geringsten Anlaß für irgendeine gönnerhafte Herablassung gegenüber den rückständigen Stämmen im Süden und im Osten, die es nicht geschafft haben, ihre Hausaufgaben zu machen. Deren Schutz ist partiell um Längen besser. Das ist nicht irgendwelche Panikmache einer irren BI, das sind die Fakten, Herr Wirtschaftsminister!
Gerade hat die Landesregierung eine Initiative "OPEN NRW" gestartet, bei der mehr Bürger*innen schneller und auf gleicher Augenhöhe informiert werden sollen. Vielleicht braucht es zuerst eine Initiative "OPEN Landesregierung", mit dem Lernziel, die Ministerien über die Verhältnisse im Land aufzuklären. Dann bestünde vielleicht auch erstmalig die Chance, daß die Landesregierung alle potentiellen Rückhalteflächen auflistet, die jetzt vom Rhein abgeschottet und noch nicht zugebaut/aufgefüllt sind.
Und dann wüßten wir auch alle, wie hoffnungslos die Lage im Grunde ist.

Und noch etwas zum Schluß:
Es ist richtig, wir hatten 1993 und 1995 zwei sehr bedrohliche Rhein-Hochwässer mit über 100 Mio DM (!) Schäden in Köln, keine Verletzten, keine Toten. Es gab aber individuelle materielle Verluste und nachhaltige Verunsicherung. Das waren sicher Großschadenlagen, aber es waren keine Katastrophen. Wie Katastophen hierzulande ausschauen, das lernten wir beim Donauhochwasser 1996 (Deichbruch bei Kelheim), 1997 an der Oder (Polen, nicht Oderbruch) und 2002 an der Elbe (Dresden, Grimma, Wesenstein) ... und so weiter.
Am Rhein gab es keine Katastrophe mehr seit 1784.
Die kommt erst noch.
Vor allem dann, wenn die Landesregierung so weitermacht...

Für alle, die's vergessen haben: So sieht Katastrophe aus