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Pegel Köln vom 21.11.2018
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"Hausboote statt Häusern auf Stelzen"

4 Fragen an Henning Werker - Kölner Stadt-Anzeiger 09.07.2018

Der Vorschlag des Kölner Haus­ und Grundbesitzervereins, mehr Bauland auch in Rheinnähe zu schaffen, hat aus Sicht von Hen­ning Werker, Leiter der Hochwasserschutzzentrale bei den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB), keine Aussicht auf Erfolg.

Herr Werker, sollte in den Randbe­zirken der Stadt mehr Bauland zur Verfügung  stehen, um darauf dann etwa Stelzenhäuser in Rheinnähe er­richten zu können?

Ich bin der Meinung, dass man bei der Abwägung solcher Ideen sehr sorgfältig vorgehen sollte. Anders als etwa in den Niederlanden gibt es hier keine Kultur des Wohnen auf dem Wasser. Die Errichtung von Häusern auf Stelzen bedeutet, dass man auf Flächen baut, die zu­mindest in unregelmäßigen Ab­ständen von Wasser überflutet wer­den. Das sollte man nur tun wenn unbedingt notwendig, denn es birgt erhebliche Risiken und ist an Voraussetzungen gebunden.

Die Stadt wächst, Wohnraum ist knapp — was spricht denn gegen die Nutzung solcher Flächen?

Zunächst mal muss der Nachweis erbracht werden, dass die Bebau­ung keine Auswirkungen auf das Gewässer hat, in diesem Fall auf die Ausbreitung des Rheins bei Hochwasser. Jedes Hindernis, das die natürliche Fließbewegung an einer Stelle einschränkt, verändert die Eigenschaften des Gewässers an einer anderen. Das könnten Ingenieure technisch zwar womöglich neutral lösen, trotzdem gilt die Maxime, so etwas nur dort zu tun, wo es stadtplanerisch unumgänglich ist - etwa Anleger für einen Hafen oder eine Station der Wasserschutzpolizei am Fluss.

 Im dem Fall geht es um Umwidmung von Landschaftsschutzgebieten in Bauland — für den Verein eine visio­näre Herangehensweise für die Ge­staltung des Flächennutzungsplans.

 Aus meiner Sicht aber eine fal­sche. Wir müssen bereits jetzt bei jedem Hochwasser die Sicherheit von 400 bis 500 Kölnern organi­sieren, etwa in Feldkassel oder Poll. Diese Menschen wohnen aber historisch gewachsen in die­sen Bereichen. Wohnbebauung auf Überflutungsflächen schafft ein Risiko für das Leben der Men­schen, und selbst ohne einen Aus­nahmezustand gäbe es viele orga­nisatorische Hürden — von der Ab­wasser- bis zur Stromversorgung.

Ein Beispiel ist die Erweiterung der Planung für den neuen Stadtteil Kreuzfeld bis nahe an den Rhein. Ist es nicht Zeit umzudenken und sich eine neue Wohnkultur anzueignen?

Ich halte das für zu gefährlich. Bei­spiel Worringer Bruch, denn das dürfte beim Stichwort Kreuzfeld ja eine der angedachten Flächen sein. Das Bruch ist einer der tiefliegendsten Flächen Kölns — bei Hochwasser oder Starkregen ein klassisches Überflutungsgebiet. Menschenleben sind wichtiger als Wohnraum, außerdem erfüllen die Überschwemmungsflächen in di­rekter Flussnähe als Teil der grü­nen Lunge Kölns eine wichtige ökologische Funktion. Die wäre gefährdet. Wenn man unbedingt noch näher am Wasser leben will als jetzt, dann würde ich lieber Hausboote statt Stelzenhäuser empfehlen.

Das Gespräch führte

Ingo Hinz