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Pegel Köln vom 19.11.2019
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Dritte Hochwasserwelle – Kölner Stadtentwässerung auf der Hut

08.01.2011 (KÖLN) - [ACHTUNG: Nachricht ist stark beschädigt! Formatierung durcheinander; alle Bilder fehlen...]

...wird laufend aktualisiert (zuletzt: 18.01. 10:45) - Neueste Nachricht unten >

Nach den zwei kleinen Hochwässern im Dezember führt die Kombination von Tauwetter und Regen ab 7. Januar zu einer etwas fülligeren Welle, die allerdings von vielen Medien bereits reißerisch als Katastrophe hochstilisiert wird:
(„Am Wochenende kommt die große Flut…“ – meint BILD; und die müssen es ja wissen).

Seit Freitag (7.Januar) ist in Rodenkirchen das Hubtor hochgefahren.

Samstag, 8. Januar 2011:
Morgens werden die ersten mobilen Stützen an der Uferstraße montiert.
Alles läuft augenscheinlich in Ruhe und Umsicht ab; für Absperrungen und Posten der Sicherheitsdienste ist gesorgt.

Makabererweise findet gegen 11Uhr20 etwas verfrüht der turnusmäßige Sirenen-Probealarm statt. Hoffentlich haben die Reporter ihre Geräte parat, um den schaudernden Fernsehguckern die Rückenhaare zu sträuben.

Die Entwicklung der Pegelstände - auch im direkten Vergleich - läßt sich übrigend recht komfortabel über den seit Herbst 2010 freigeschalteten "Pegel-online-Dienst" der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) verfolgen. Der Service ist frei zugänglich.

Hier als Beispiel ein Link, der die Pegel von Koblenz, Bonn und Köln gleichzeitig darstellt.

Beigefügter Snapshot zeigt sehr eindrücklich den schnellen Pegelanstieg in Köln seit dem 7. Januar frühmorgens. Die Hochwassermarke I wurde am 8. Januar gegen 6:30 Uhr überschritten.

 

Inzwischen reiht sich der Kölner Stadtanzeiger in die Reihe der Panikmacher ein:

 

Der Pegel steigt - Köln fürchtet das Hochwasser? 

 - vor 3 Stunden bei google gefunden

"Die Stadt fürchtet sich vor dem Hochwasser: In Köln werden die Hubtore hochgefahren..."

Na ja, wenn man mal davon absieht, daß es nur ein Hubtor gibt - auch sonst mangelt es in dem Bericht nicht an Fehlern: So war das letzte wirklich große Hochwasser nicht 1993 (10,63 m KP), sondern im Januar 1995 mit 10,69 m KP.

Und unerwähnt zu lassen, daß jetzt 11,30 m KP die kritische Wasserstandsmarke ist (und auch nur für den Süden - der Kölner Norden ist bis 11,90 m geschützt!), ist schon grenzwertig. Hat der KStA tatsächlich vergessen, daß in den letzten 15 Jahren die Stadt (und das Land) fast eine halbe Milliarde Euro in den oberirdischen und unterirdischen Hochwasserschutz investiert hat?

Also halten wir mal fest: Selbst wenn der Rhein am Dienstag 9,50 m erreicht, ist das noch Lichtjahre von 11,30 m entfernt. Kein Grund zur Unruhestiftung zwecks Steigerung der Auflage...

Nachtrag: Offenbar hat die Redaktion den Artikel schon bereut; denn jetzt öffnet sich unter dem Link ein ganz anderer Bericht ("Der Kölner Pegel fällt wieder"). Nur hat man vergessen, die Leserkommentare zum ursprünglichen Beitrag zu löschen. Ziemlich amateurhaft... (aktualisiert: 13.01.2011 / der alte Artikel kommt bei Gelegenheit hier...)

Das reißerische Possenspiel geht auch anderswo weiter:

Ein dubioses „Nachrichten“-Portal namens KUKKSI (NEWS&FUN!) titelt in der Nacht zum 9. Januar: „Rodenkirchen steht unter Wasser“ (schon wieder gelöscht) und der EXPRESS möchte auch in der Liga mitspielen:  „Flut droht: Ganz Köln kämpft jetzt gegen das Hochwasser“ …  Darin schöne Beispiele für gezielte Manipulation („Bäume in Rodenkirchen stehen bis zur Krone im Wasser“ – klar, das ist immer so am Ufer; man möchte aber den blanken Horror wecken: o Gott, jetzt sogar die Bäume!!!) und Unwissen (…“bauten mobile Schutzwände … auf einer Länge von insgesamt zehn Kilometern auf“ – was Quatsch ist; zwar sind alle mobilen Wände zusammen so lang, tatsächlich aufgebaut wurden vielleicht 500 m in Zündorf, der Altstadt und Rodenkirchen)...

 

Sonntag, 9. Januar 2011 

Am Morgen hat der Pegel die 8-Meter-Grenze überschritten. Das inzwischen aufgebaute Schott an der Barbarastraße ist wasserseitig bereits einige Dezimeter eingestaut.

 

Nachmittags strömt strömt das Publikum in Massen zum Rhein und möchte Hochwassergucken. Wegen der Absperrungen durch Wachdienste gestaltet sich das nicht einfach. So ist an der Barbarastraße bereits beim Ruderclub Schluß. Die Aufpasser müssen sich manches herbe Wort gefallen lassen. Ganz anders die Lage an der Uferstraße zwischen Walther-Rathenau-Straße und Grüngürtelstraße. Dort wird die Uferpromenade stark frequentiert (und um eine Sperrzone kümmert sich niemand). Besonders umlagert ist das Querschott an Richtung Barbarastraße. Dort kann ein fröstelnder Blick auf die geflutete Straße Richtung Maternus-Kapelle gewagt werden.

Gegen 15 Uhr ( die Angaben des Kölner Pegels und der WSV differieren da etwas) ist die Hochwassermarke II überschritten worden. Die Schiffahrt ist jetzt endgültig eingestellt. So viel war ohnehin nicht mehr los, weil in Koblenz schon gestern abend um 21 Uhr dichtgemacht wurde.

Abends lassen die Einheimischen es sich nicht nehmen, über schwankende Stege zum Bootshaus Rodenkirchen zu pilgern und mittels Bier gegen das Hochwasser zu kämpfen. 

 

Montag, 10. Januar 2011

Inzwischen grenzt die Hochwasserschutzzentrale den Höchststand für Dienstag Morgen mit 8,90 bis 9,10 m KP ein.

Damit wird die Erhöhung des Kopfbalkens längs der Uferstraße entbehrlich (immerhin 860 m Knochenarbeit!)

 

Der Wasserstand liegt Montag morgens bei 8,80 m und steigt nur noch langsam weiter.

An der Rodenkirchener Uferlinie ist die Lage entspannt. Lediglich die 300 m landeinwärts gelegene Maternusplatz-Tiefgarage könnte ihrer ersten Flutung des zweiten Untergeschosses entgegensehen. Dort hat sich der Grundwasserspiegel bis auf wenige Zentimeter der Räumungshöhe von 42 mNN genähert.

Weitere Informationen demnächst hier über einen LINK.

 

Die An- und Ausblicke werden zwar immer dramatischer, der mobile Schutz arbeitet aber störungsfrei. Kleinere Sickerstellen verdienen Aufmerksamkeit, aber auch nicht mehr...

Die BI wird während ihrer Kontrollgänge häufig von Anwohnern gefragt, ob drückendes Grundwasser in den tieferliegenden Geschossen zu erwarten ist. Da die aktuelle Situation erstmalig ist (Hochwasserschutz Uferstraße fertig, Qualmwasserkanal + Pumpwerk in Betrieb), kann nur empfohlen werden, die Situation regelmäßig zu überprüfen. Daß alle Abläufe unter Kontrolle und die Pumpen gewartet sind, wird vorausgesetzt. Theoretisch müßte die
Lage besser sein als jemals zuvor. Aber Grundwasser verhält sich bisweilen sehr merkwürdig...

 


Inzwischen ist in der Maternus-TG der kritische GW-Pegel erreicht (Condition RED!). Langzeitparker sollten das Untergeschoß meiden.

 

Für die Bewohner der östlichen Uferstraße gehört der Unimog-Fährverkehr inzwischen zum Alltag und lockt ein Kamerateam des WDR an. Lebensformen unter Hochpegelbedingungen gehören jetzt zu den angesagten Medienthemen - auch in Lokalzeit und Aktueller Stunde.

 

10. Januar 16Uhr: Laut PEGELONLINE stagnieren augenblicklich alle Rheinpegel zwischen Mainz und Köln (8,88mKP), der Mosel-Pegel in Cochem fällt. Sieht so aus, als sei das schon der Wellenscheitel - ein sehr langgezogener allerdings.

Und wie es scheint (21:15), ist es das auch erst mal gewesen:


Die Kölner Hochwasserschutzzentrale erklärt das erste Januarhochwasser für "gelaufen".

Es wird von der Menge der Niederschläge abhängen... 

 

 

Das nächtliche Rodenkirchen unter diesen ungewöhnlichen Bedingungen hält für den aufmerksamen Bürger (auf Kontrollgang) einige reizvolle Stimmungen bereit.

 

Dienstag, 11. Januar

Zwar sind die automatischen Flutventile noch nicht angesprungen, aber die ersten Pfützen stehen im Untergeschoß der Maternusplatz-TG. Folglich wurde die Ebene geräumt und gesperrt. Leichtes Chaos heute im Zentrum Rodenkirchens.

Ansonsten überall vergleichsweise entspannte Gesichter. Ein paar kleinere Undichtigkeiten (Kanaldeckel) konnten behoben werden. All das schafft Vertrauen.

 

Mittwoch, 12 Januar

Der Grundwasserstand in der Tiefgarage erreicht im Laufe des Tages 42,55 m über NN. Ab 42,80 m wird das Gebäude über Siphone automatisch geflutet. Bis es dazu kommt (- und ob es überhaupt eintritt, ist noch unsicher), können eine Reihe von Haarrissen im Beton saniert werden. Man muß Feste feiern wie sie fallen... 

 

Der Rheinpegel hat um 3 Uhr morgens die Hochwassermarke II unterschritten. Viele Berufsschiffer machen sich schnell wieder auf den Weg. Längs des Rheinauhafens liegen nur noch eine Handvoll Frachter. Den Vernehmen nach soll es diesmal keine Müll- und Tomatenwurfattacken aus der Bel etage der Kölner Schickimicki-Immobilie gegeben haben. Ein erster Lernerfolg?

 

Es gab Beschwerden von Radlern. Die Situation Richtung Köln sei "suboptimal". Eine Nachprüfung ergibt, daß der Hauptradweg Basel-Rotterdam durch zwei Querschotts blockiert ist, die bisher gar nicht vom Wasser erreicht wurden. Zudem hat die Stadtverwaltung (Amt für Straßen und Verkehrstechnik) keine einzige Umleitung eingerichtet. Für Leute auf dem Weg zur Arbeit (und erst recht für Fremde) eine ziemliche Mißachtung. Da wird nachzuhaken sein. Niemand wird sich über Behinderungen aufregen, die unvermeidbar sind. Aber Behörden sollten die Geduld ihrer Auftraggeber nicht überstrapazieren...

 

Donnerstag, 13. Januar

Gegen Mittag sinken laut Hochwassermeldedienst RLP die Pegelstände des Rheins zwischen Mainz und Köln nicht weiter (sind also stabil), die der Mosel steigen wieder. Sieht ganz so aus, als würde jetzt die Folgewelle beginnen.

 

Der Kölner EXPRESS (nur Druckausgabe; online Fehlanzeige) berichtet auf der Titelseite über einen versuchten Klau von Mobilelementen. Was der EXPRESS nicht weiß: Ohne Spezialwerkzeug ist da nix zu klauen. Also alles heiße Luft! Übel ist nur: Jetzt weiß der letzte Metalldieb in der Republik, daß es da was zu holen gibt: Sauber, Presse als Anstifterin... 

 

Die Radwegsituation ist immer noch unbefriedigend: An der Schönhauser Straße klettern Radfahrer und Fußgänger weiter über die mobile Wand. Bewachung funktioniert dort offenbar  nicht.
Die BI Hochwasser zweifelt ernstlich daran, ob diese angeordnete Volkssportbewegung angemessen ist. Schließlich fahren die Radler in Marienburg ahnunglos in den Radweg ein und finden sich in Bayenthal vor der Wand wieder...

 

Freitag, 14. Januar

Wie die Abschätzungen des Hochwassermeldezentrums Rheinland-Pfalz und der Kölner Hochwasserschutzzentrale zeigen, wird der "Nachschlag" sich in einer weiteren Welle von exakt gleicher Höhe auswirken. Die Rheinland-Pfälzer stellen auf ihrer Website auch für den Laien gut nachvollziehbare Pegelkurven zur Verfügung.

 

Der Grundwasserstand in der Maternusplatz-TG hat nach einer Verschnaufpause in der Nacht begonnen weiter zu steigen: 42,61 m üNN um 8:30 Uhr
Um Mitternacht steh das Grundwasser bei 42,73 m, also sieben Zentimeter unter der vorgesehenen Einlaßhöhe. Es beginnt leise zu plätschern und es bilden sich erste Wasserlachen.

 

Samstag, 15. Januar

Das Grundwasser im Untergeschoß der Tiefgarage hat 42,80 m üNN erreicht und die Flutung mit sehr klarem Grundwasser ist im Gange. Stellenweise steht das Wasser zentimeterhoch.

 

Die Verantwortlichen der Stadt haben auf die schlecht organisierte und auch gefährliche Situation (Radfahrer auf der Rheinuferstraße!) am Hauptradweg Bayenthal-Marienburg noch keine angemessene Antwort gefunden. Es wird weiter umgekehrt oder geklettert - und geschimpft.

 

Wurde zunächst ein Höchststand des Rheins von knapp 9 Metern (oder sogar darüber) angenommen, sind die Prognosen inzwischen deutlich nach unten korrigiert worden: Während die Kölner Hochwasserschutzzentrale einen Wert zwischen 8,88 und 8,99 mKP erwartet, geht der Meldedienst Rheinland-Pfalz nur noch von 8,70 - 8,80 m aus, und zwar morgen zwischen 12 und 16 Uhr. Schau' mer mal...

 

Sonntag, 16. Januar

Offenbar hat sich der Scheitel der Welle etwas beeilt und ist (überraschend?) knapp unter 8,70 m geblieben. Gegen 1 Uhr in der Nacht hat der Kölner Pegel 8,69 m erreicht und sich seither nicht mehr verändert (PEGELONLINE).

An dieser Stelle soll einmal eine Unstimmigkeit erklärt werden, die dem aufmerksamen Beobachter sicher schon aufgefallen ist:

Die Pegelinformationen (Meldedienst RLP und PEGELONLINE) und die Angaben der Kölner Hochwasserschutzzentrale unterscheiden sich immer um zwei Zentimeter. Das liegt daran: Im Kölner Pegelturm sind zwei Meßfühler in Betrieb, leider mit kleinen Abweichungen. Die Kölner haben den höheren Pegel und sagen, das sei der richtige Wert. An der Lösung des Problemchens wird gearbeitet

 

Die Verwaltung hat die Sperrung der wichtigen Wegeverbindung von Rodenkirchen nach Köln um die Mittagszeit aufgehoben und ein Dammbalkenfeld aus den Schotts herausnehmen lassen. Damit hat diese wirklich ärgerliche Behinderung der Freizügigkeit ein Ende.

 

Den Bewohnern tieferliegender Gebiete hinter den Schutzlinien sei empfohlen, die Keller zu kontrollieren. In Rodenkirchen (Wilhelmstraße z.B.) sind seit Mitternacht die ersten Pumpen angesprungen. Grundwasserspiegel steigt also noch. Und nasse Keller mit nassen Vorräten sind nicht jedermanns Vergnügen...

 

Montag, 17. Januar

Der Kölner Rheinpegel ist weiter gefallen und har um die Mittagszeit die Hochwassermarke II unterschritten. Die Schiffahrt kann wieder Fahrt aufnehmen (allerdings bleibt die Sperrung an der Loreley wegen das gekenterten Säuretankers bestehen).

 

Der Grundwasserpegel in der Maternusplatz-TG erreicht seinen bisher höchsten Stand mit 43,07 m üNN. Bis zum Abend laufen insgesamt 600 Tonnen Ballastierungswasser in das Untergeschoß und reduzieren den Auftrieb.

 

Dienstag, 18. Januar

Offensichtlich ist die Grundwasserwelle am Maternusplatz "durch"! Seit heute nacht sinkt der Grundwasserpegel leicht (Stand 18.01. 09:00 > 43,02 m). Somit können auch bald Maßnahmen zur Absenkung des Ballastwassers eingeleitet werden, um die volle Benutzbarkeit der für den Innenbereich von Rodenkirchen wichtigen Parkmöglichkeit wieder herzustellen. Bis jetzt sind annähernd 800 Tonnen sauberes Grundwasser eingeströmt; die Wasserhöhe beträgt aktuell 20 Zentimeter.

 

Über den Rückbau der mobilen Sperren hier in Kürze neue Informationen...

 

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