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Pegel Köln vom 17.07.2019
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08.08.2010 - Stadt - Land - Flut - Eine Regionale2010-Radtour

Hochwasserschutz und mehr im rechtsrheinischen Köln

Eine Gruppe von über 50 neugierigen Radlern jeden Alters startete von Deutz aus zur zweiten "Füße-hoch"-Radtour mit dem Hauptthema Hochwasser. Diesmal ging es am orographisch rechten Rheinufer stromaufwärts mit Ziel Retentionsraum Porz-Langel / Lülsdorf an der südlichen Kölner Stadtgrenze.

Zunächst konnte natürlich keiner am Projekt "Rheinboulevard" mit den spannenden Aufdeckungen aus der Kölner Stadtgeschichte vorbei. Unter der fachkundigen Anleitung von Jürgen Wulfkühler durften die Teilnehmer die Baustelle besichtigen und freigelegte Mauern aus der Nähe betrachten.

Thomas Kahlix von der BI-Hochwasser versuchte gleich zum Start für die Besonderheiten der Flußtopographie zu sensibilisieren. Der Abschnitt zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke ist nämlich definitiv der Flaschenhals am Niederrhein. Hier muß das ganze (Hoch-)Wasser durch - auf engstem Raum, was nicht ohne Folgen für die Wasserhöhe bleibt. Und er stellte nicht zum ersten Mal die Frage, warum bei der Planung nicht nur an die Schönheit der Rheinfront für die Gäste, sondern auch eine Aufweitung des Abflußquerschnitts als Beitrag zum Katastrophenschutz bedacht worden ist.

regionale_wspSchon wenige hundert Meter weiter stromauf weitet sich das Profil deutlich am Deutzer Festplatz und am Standort der Wasserschutzpolizei.

Auf dem Weg nach Süden mußte die interessante kleine Siedlung am Poller Weidenweg aus Zeitgründen übergangen werden. Dabei stellt sie eines der wenigen anschaulichen Beispiele hochwasserangepaßten Bauens und Lebens dar. Diese Häuser liegen nämlich alle außerhalb der Hochwasserschutzlinie und müssen sehen, wie sie klarkommen. Was die Bewohner mit zum Teil viel Phantasie und Improvisationskunst über viele Jahre gemeistert haben. Jedenfalls ist "Raum für den Fluß" hier kein Thema: Man lebt mit dem Fluß und zeitweise in ihm.

regionale_rauchschwalbeDie sog. "Westhovener Aue" ist als umgewandelter Militärstandort ein richtiges Vorzeigeprojekt der Stadt Köln geworden. Nach Weggang der belgischen Pioniere ist das Kunststück gelungen, allen Bebauungs- und Vermarktungsinteressen zu widerstehen und das Gelände der Natur zu überlassen. Nur ist es eben leider keine richtige Aue. Dazu liegt die Fläche zu hoch und wird deshalb zu selten vom Rhein geflutet. Selbst wenn nun durch gezielte Anpflanzungen der Charakter der Lebensgemeinschaft sich ändert, eine durch mehrmalige Flutungen im Jahr typische Auen-Biozönose (Auenlebensgemeinschaft) wird sich nie einstellen.
Trotzdem ein Pluspunkt für die Stadt im Gerangel um die Umsetzung des Aktionsplans Hochwasser der IKSR (Wiederöffnung von Rückhalteflächen) von 1998. Leider aber auch einer der wenigen...
Die vielen sachkundigen Informationen durch Sabine Rauchschwalbe (Grünflächenamt Köln) schärften den Blick: Man sieht schließlich nur. was man weiß.

Immer wieder zwischendurch erläuterte Uwe Härtel (Hochwasserschutzzentrale) den Teilnehmern die komplexen Zusammenhänge des Hochwasserschutzes. (Siehe auch die Informationen auf der Regionale-Site):
regionale_haertelNieder-Zündorf wird (auf eigenen Wunsch "nur") bis KP 10,70 m geschützt. Ein Kompromiß, der auch die Erhaltung des vielfältig genutzten Platzes an der Groov berücksichtigt. 
Abschließend wurde der Polder Langel-Lülsdorf auf dem Deichkronen-Radweg (ein Erlebnis!) umrundet und das Einlaßbauwerk genauer besichtigt.
Thomas Kahlix gab einen kurzen Überblick über die Planungs- und Genehmigungsgeschichte des Retentionsraumes und schilderte, wie der Rückhalteraum zuerst bei 10,64 m Rheinpegel, dann bei 10,90 m und (im Verlauf eines VG-Verfahrens) nun schließlich bei plus/minus 11,30 m geflutet werden soll, einem Wasserstand, den die BI-Hochwasser von Anfang an für das einzig Vernünftige gehalten hatte. Wenn Laien etwas Richtiges fordern, so ist das eben ein Problem an sich...
Wichtig für die Kölner aber ist allein, daß der Polder jetzt etwa 3 - 4 Zentimeter Entlastung am Kölner Pegel (Innenstadt) bringen kann anstatt wirkungslos zu verpuffen.

So war die Tour für alle ein Gewinn. Die Regionale hatte sie unter das Motto "Flut-Land" gestellt. Die BI hätte es lieber etwas dialektischer gehabt: "Stadt - Land - Flut" oder so. Aber der praktische Verlauf der Rad-Reise ging dann doch noch in diese Richtung und so mancher begriff im Ansatz:
Erst beansprucht die STADT das LAND, und dann kommt eben die FLUT - fast schon zwangsläufig. Nicht nur in Köln.
Zukunft geht anders...

[TK; aktualisiert und um Tippfehler bereinigt 25.08.2010]

> Bericht auf der Website der Regionale2010