Dokumente 2004
10 Jahre Bürgerinitiative Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008 um 11:39 Uhr
3-01-04

Zehn Jahre Bürgerinitiative Hochwasser Köln-Rodenkirchen

EIGENER BERICHT

Zehn Jahre lang gerührt,
noch immer nix passiert!

Erstes Wochenende im Jahre 2004 Samstag, 3.Januar 2004

Heute Abend treffen sich die „Kämpferinnen und Kämpfer“ der ersten Stunde mit teils bekannten, teils weniger bekannten Mitstreitern der letzten zehn Jahre zu einem informellen aber geselligen Beisammensein.
Grund:
Zum Jahresende 1993 – sozusagen noch mitten im Weihnachtshochwasser – wurde mit viel Wut im Bauch die Bürgerinitiative Hochwasser Rodenkirchen gegründet.

Was ist in den zehn Jahren alles passiert?

  • neue und schlimmere Hochwässer
  • genial erfolgreiche Notwand aus Blech auf Rodenkirchener Hauptstraße und Auenweg
  • Konzeption und Verabschiedung des Kölner Hochwasserschutzkonzepts durch die Stadt Köln
  • aktive Mitarbeit des BI durch konstruktive Vorschläge und wachsame Kritik
  • Solidarisierung auf Stadtebene (Hochwasserschutzgemeinschaft Köln)
  • Solidarisierung auf Rheinebene (Hochwassernotgemeinschaft Rhein)
  • gute Zusammenarbeit mit Hochwasserschutzzentrale und Helfern
  • Erprobung und Anschaffung von „Aqua-Barrier“
  • bürokratisches Mauern bei der Bezirksregierung
  • endlich erste Planfeststellungen im Jahre 2003
  • und: Durchpeitschen von hochwassergefährlichen Bauprojekten seitens der Stadt und der Bezirksregierung

Und was ist alles nicht passiert?

  •  kein einziger Schutzbau in Wohngebieten hingekriegt
  • Planung im Schneckentempo durch quälend langsamen Planfeststellungsvorgang
  • Schuldzuweisungen an die Bürgerinnen und Bürger durch die Stadt (Prof. Bela Dören)
  • Sicherung der Professionalität (durch Personalabbau bei der Stadt)
  • Sicherung der Professionalität (durch dringend nötige Übungen zur Vermeidung weiterer Pannen)
  • konsequenter Erhalt von Flutungsräumen für 200-jährliches Hochwasser
  • nachhaltige Solidarität bei der Presse und den Medien (ausgenommen Stadtteilredaktionen)

Wie alles anfing
Am 25. Dezember 1993 traten zwei Bewohner der Rodenkirchener Wilhelmstraße in ihren schnell noch von fliegenden Händlern ergatterten Wathosen auf die immer noch geflutete Straße. Sie hatten irgendwie das ungute Gefühl, dass die Schäden bei ihnen und ihren Nachbarn - ziemlich weit ab vom Rhein - in die Millionen gehen würden. Die beiden hatten einen ziemlich dicken Hals. Sie ahnten nämlich auch, dass der ganze Ärger nicht hätte sein müssen, wenn nur die Stadt besser vorbereitet ...
Bald war klar, dass noch viele andere die Faxen dick hatten. Und so trafen sich im Januar in der noch feuchten, aber schon wieder funktionsfähigen Viertelkneipe "Hinger dr Heck" (Hinter der Hecke;was aber nichts, aber auch gar nichts mit Hinterwäldlern zu tun hat...) an die 100 aufgebrachte Betroffene. Der Eindruck völlig überforderter Hilfskräfte und ratloser Organisatoren war noch so frisch, dass allen eines völlig klar war: So naiv werden wir nicht noch einmal sein. Das nächste Mal sind wir vorbereitet. Und die Stadt auch. Der werden wir Beine machen. Und prozessiert wird auch!
Das war die Gründung der Bürgerinitiative Hochwasser in Köln-Rodenkirchen.
Später wurde ein gemeinnütziger Verein daraus mit ungefähr 500 eingeschriebenen Mitgliedern. Dazu gehören auch Bürgervereinigungen und Eigentümergemeinschaften, so dass die Initiative die Hochwasserschutzinteressen von gut und gerne 4000 Bewohnern im Kölner Süden unterstützt. Und prozessiert wurde auch nicht. Jedenfall bis jetzt ...

Und notgedrungen musste sich die Bürgerinitiative im Laufe der Jahre Kenntnisse und Durchblicke aneignen, um in einer so komplizierten Sache wie Hochwasser ein kompetenter Gesprächspartner zu sein. Es zeigte sich aber auch, dass in den Augen vieler (nicht aller!) Bürokraten der informierte Bürger doch eine ziemliche Bedrohung darstellt. So blieben Konflikte nicht aus, besonders dann nicht, wenn schlecht und schlampig geplant und leichtfertig genehmigt wurde. Und es wurde schlecht und schlampig geplant! Und leichtfertig ...

  • Das vielgepriesene Kölner Hochwasserschutzkonzept basiert auf einer einzigen billigen Schönrechnerei. Hochwasserschutz bedeutet aber immer Verlust von Überflutungsfläche. Da genügen die Grundrechenarten.
  • Die Planung der Kölner Polder läuft in Wirklichkeit auf einen gewaltigen Verlust von Retentionsraum hinaus. Dennoch wird unbeirrt von „Gewinn“ gefaselt. So lügt man sich in die Tasche.
  • Im Malerviertel soll der Deich so nahe an die Häuser, dass man sich schon bei einem 100-jährlichen Hochwasser fragen muss, ob der Deich nicht brechen muss und vorher das Drängewasser alles illusorisch werden lässt.
  • Wenn Investoreninteressen es erfordern, wird der Deich bereitwillig nach vorn verlegt und die Hochwassergefahr vergrößert. Dabei missachtet die Bezirksregierung ihre eigenen Überschwemmungsgebiet-Verordnungen.
  • Der Schutz in der Altstadt könnte schon längst auf 11,30 Meter Kölner Pegel liegen, wenn die Verwaltung in der Schule in Physik besser aufgepasst hätte. So muss sich die Öffentlichkeit mit amtlichen Tunnel-Auftriebs-Märchen herumschlagen.
  • Die Bezirksregierung genehmigt reihenweise hochwassergefährliche Vorhaben, dass sich die Paragraphen biegen. Ausführungserlasse der Landesregierung werden übergangen.
  • ...

Uns wird die Arbeit in den nächsten zehn Jahren nicht ausgehen.
Packen wir’s an!
Hoffentlich erspart uns der Rhein bis dahin böse Überraschungen.

Und weil die Medien Wichtigeres zu tun haben, gratulieren wir uns selbst zum 10-jährigen Bestehen.

Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V.
www.hochwasser.de   Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.





 
PRESSE-INFO 2004/01 Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008 um 11:37 Uhr

Bürgerinitiative begrüßt den Einsatz verbesserter Aqua-Barrier

Freitag, 16. Januar 2004
Presseinformation der Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V.
 
Bürgerinitiative begrüßt den Einsatz verbesserter Aqua-Barrier

Vor dem Hintergrund der bisherigen schleppenden Umsetzung einer Grundversorgung im Hochwasserschutz sieht die Bürgerinitiative Hochwasser Köln-Rodenkirchen (BI) Anlass zur Hoffnung.

Die frisch ausgepackten und schon aufgestellten Not-Schutzelemente aus Schweden bieten im Rodenkirchener Auenviertel nunmehr einen sicheren Schutz bis 9,20 m Kölner Pegel. Dies wird erreicht durch einen zweistufigen Aufbau der bekannten Kombination aus Europaletten, Klappstützen und Folie in den am tiefsten liegenden Abschnitten der Uferstraße.

Es erstaunt, dass wenige Tage nach Übergang des konstruktiven und operativen Hochwasserschutzes in die Kompetenz der Stadtentwässerung AöR (StEB) bereits erste greifbare Fortschritte erzielt worden sind. Wieder einmal hat Hochwasser“papst“ Reinhard Vogt unter Beweis gestellt, wie schnell und unbürokratisch er handeln kann, wenn man ihn nur lässt ...

Selbst wenn aufgrund der aktuellen Prognosen dieser Schutz gar nicht nötig sein wird, sieht die BI darin den ernstgemeinten Versuch von Hubertus Oelmann, dem Vorstand der StEB, verlorenes Vertrauen in die Stadt Köln auf Seiten der Bürger zurückzugewinnen. Das ist in den Augen der BI das eigentliche positive Signal der Aktion.

Die BI Hochwasser weiß aber auch, dass es noch ein weiter Weg bis zu einem Schutz gegen ein 100-jährliches Hochwasser (11,30 m K.P.) sein wird und bietet weiterhin ihre Unterstützung durch konstruktive Kritik und die Vermittlung zwischen Stadt und Bürgern an.

Gerhard Müller
(Vorsitzender)

 

 
PRESSE-INFO 2004/02 Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008 um 11:36 Uhr

Bürgerinitiative sieht Anzeichen für Hoffnung

Presseinformation 2004-02 vom 17.01.2004
der Bürgerinitiative Hochwasser Köln-Rodenkirchen

Bürgerinitiative sieht Anzeichen für Hoffnung

Bürgerinitiative sieht im Rückgang besorgter Anrufe ein Zeichen wachsender Hoffnung, dass der Hochwasserschutz in Köln nun endlich in Bewegung kommt.
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Es ist erfreulich und ein Zeichen von wachendem Vertrauen, dass die Zahl der telefonischen Bürgeranfragen zurückgegangen ist, wie die Hochwasserschutzzentrale berichtet. Sicher eine erste Reaktion auf die Signale bei der Stadt Köln, dass mit dem Übergang des Hochwasserschutzes zu den StEB der desolate Zustand in Köln sich dem Ende zuneigen könnte.

Schließlich haben Hubertus Oelmann und Reinhard Vogt in zwei Tagen erledigt, was unter dem Vorgänger Prof.Béla Dören in drei Jahren nicht möglich war: Zukauf von ein paar neuen mobilen Elementen zum verbesserten provisorischen Schutz des Rodenkirchener Auenviertels für eben mal 55 000 Euro.

Vielleicht hat der Rückgang besorgter Anfragen auch mit dem allgemein verbesserten Internetangebot zu tun. Nicht nur die Stadt bietet inzwischen ausführliche Hinweise an, auch die BI vermag über ihre Seite www.hochwasser.de mittlerweile mit laufend aktualisierten Pegelständen aufzuwarten. Das ist vor allem am Sonntagabend sehr beruhigend, wenn anderswo nur die Zahlen vom Freitag Morgen zu haben sind.

(StEB = Stadtentwässerungsbetriebe AöR)

Gerhard Müller
(Vorsitzender)

Wir verweisen auch auf unsere Presseinformation vom 16.01.2004

 
PRESSE-INFO 2004/03 Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008 um 11:27 Uhr

Bürgerinitiative Hochwasser, Altgemeinde Rodenkirchen e.V

Presseerklärung
zum Ersten Spatenstich der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes Köln am 8. Juni 2004
um 10:30 Ecke Ufer- und Grüngürtelstraße

Ein freudiges Ereignis für die zahlreichen vom Hochwasser bedrohten Kölner und die Bürgerinitiative Hochwasser in Köln - Rodenkirchen!
Endlich wird Ernst gemacht mit einem Hochwasserschutz, der das Risiko im linksrheinischen Kölner Süden auf ein halbwegs erträgliches Maß zurückschrauben wird.

Niemand, auch der nicht, der die Ereignisse der letzten zehn Jahre einigermaßen verfolgt hat, wird schlüssig erklären können, warum es so lange gedauert hat.
Zu einem Zeitpunkt, wo die Arbeiten an den Gefahrenstellen – wie hier in Rodenkirchen – nach dem ursprünglichen Fahrplan eigentlich schon längst hätten abgeschlossen sein müssen, erfolgt nun der Startschuss.

Doch tröstet sich der Realist: Lieber spät als gar nicht.

Es ist zu begrüßen, dass diese Feierstunde ausgerechnet an der Rodenkirchener Uferstrasse stattfindet, einem Wohngebiet, das in den letzten Jahren immer häufiger überflutet worden ist, zuletzt im Januar des vorigen Jahres.
Die Bürgerinitiative sieht in dem Baubeginn auch den Erfolg der eigenen Anstrengungen, ihre Vorschläge einzubringen und den Schutz für Rodenkirchen zu optimieren.
Wir sind überzeugt, dass die konstruktive, aber nicht unkritische Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen langfristig der einzig vernünftige Weg ist. Deshalb verspricht die Bürgerinitiative, die Fortschritte der Bauarbeiten aufmerksam zu begleiten und weiterhin als Partner bei möglichen Problemen zur Verfügung zu stehen.

Die Bürgerinitiative wünscht dem Unternehmen „Hochwassersicheres Köln“ einen schnellen und vor allem dauerhaften Erfolg.

Bürgerinitiative Hochwasser, Altgemeinde Rodenkirchen e.V.
Wilhelmstr. 46
50996 Köln
0221-3981123
Fax  -9352589
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www.hochwasser.de
Gerhard Müller

 
Chronik Uferstraße(PFA4) Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008 um 11:19 Uhr

Offizieller Baubeginn des konstruktiven Hochwasserschutzes im Auenviertel (PFA 4)

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt – wie wahr, wie bitter wahr!
Noch mehr vielleicht die Geduld ...

Am 8. Juni 2004 setzten Ministerin Bärbel Höhn, StEB-Chef Hubertus Oelmann und weitere öffentliche Personen symbolisch die Baumaschinen für die ersten Baustellen in Gang,
Nach schier endlosen Verzögerungen und wenig zupackender amtlicher Planung scheint nun doch noch alles gut zu werden.
Mehr als zehn Jahre nach dem ersten Schock, dem sogenannten Weihnachtshochwasser im Jahre 1993, ist der erste Bauabschnitt in Rodenkirchen im Gange. Glückauf, ihr Helden!

Die Chronik in Kürze

  24. Dezember 1993 "Weihnachtshochwasser" in Köln, mit 10,63 m Kölner Pegel fast genau so hoch wie das erste Jahrhunderthochwasser im Jahre 1926.

  1995 Zweites "Jahrhunderthochwasser" Anfang des Jahres mit 10,69m Kölner Pegel, diesmal auf den Zentimeter identisch mit dem Hochwasser von 1926. Den meisten wird nun klar, dass etwas nicht stimmt und man die Ursachen für das vermehrte Auftreten von Hochwässern ergründen sollte.

  1996 Am 1. Februar verabschiedet der Rat der Stadt Köln das Hochwasser-Schutzkonzept, das den Hochwasserschutz sicherer machen und gleichzeitig Raum für den Fluss bereithalten soll. Für den Bereich der Uferstraße wird ausgeschlossen, dass ein Schutz gegen ein 11,30m-Hochwasser möglich sei. Dieser kann angeblich nur weiter im Hinterland längs des Auenweges errichtet werden. Vorne soll es einen kleinen Deich geben, der mit mobilen Elementen auf 10,70m Schutzhöhe aufgestockt werden kann. Die Bürgerinitiative Hochwasser war zu diesem Zeitpunkt schon heftig am Zweifeln und verlegte sich aufs laute Nachdenken und Briefschreiben.

  1997 Ende des Jahres wird überraschend entdeckt, dass ein Schutz auf 11,30m in vorderster Linie doch möglich ist und - so vermuteten wir schlau - wahrscheinlich sogar billiger. Na schön, da würde es ja bald losgehen. Eine Verteidigungslinie anstelle von zweien: Das muss ja schneller gehen.

  1998 war ein Jahr der Hoffnungen und Planungen, aber auch der  Warnschüsse: 9,49m-Hochwasser mit erneut vollgelaufenem Auenviertel. Das bremste wohl auch die Planer stärker als erwartet. Dennoch wird aufgrund der inzwischen ausgereifteren Technik mobiler Wände deren geplante Höhe von 180 auf 200 cm vergrößert. Das hätte einen entsprechend niedrigeren Deich zur Folge.

  1999 entwickelte sich dramatisch und weckte neue Hoffnungen. Wieder steigt der Rhein und der Leiter der Hochwasserschutzzentrale ist allein zu Haus. Wieder einmal droht das Auenviertel abzusaufen. Seit fast drei Jahren liegt die BI-Hochwasser der Stadt in den Ohren, doch endlich ein paar Hundert Meter mobile schwedische Aqua-Barrier-Elemente anzuschaffen. Was tut Vogt? Er tut es. Er findet einen Spitzenbeamten, der die Bestellung unterschreibt und der ewig nasse Stadtteil Rodenkirchens bleibt trocken. Viele erinnern sich noch an das denkwürdige Februarhochwasser mit 8 Meter 88 Kölner Pegel. Leider geht kein Ruck durch das Amt für Brücken und Stadtbahnbau, das beim konstruktiven Hochwasserschutz ja nun beflügelt an Tempo zulegen könnte. Könnte, aber eben nicht muss...

  2000 Nachdem wieder mal vieles schiefgelaufen war und die Anwohner von einer hoheitlich herschaftlich planenden Verwaltung gehörig verladen worden waren (was das Qualmwasserpumpwerk anbelangt), bekam die Bezirksregierung es mit der Angst zu tun und zwang die Stadt, das unselige Pumpwerk in das Planfeststellungsverfahren hineinzunehmen. Das hieß: Neue Offenlage, die man im Spätherbst gerade noch so hinbekam.

  2001 brachte uns die Erörterung, schon emotional aufgeheizt wegen des Pumpwerkskonflikts, der der Bezirksregierung weit über hundert Einsprüche beschert hatte. Nun begann das Warten. Das Jahr hatte natürlich wieder turbulent begonnen: Ein 9,38m-Hochwasser im März, das mit provisorischen Mitteln nicht gehalten werden konnte. Wieder einmal war das Auenviertel abgesoffen. In diesem Jahr geht die Oberaufsicht über den Hochwasserschutz auf den Beigeordneten Prof.Bela Dören über – eine verhängnisvolle Entscheidung, wie sich noch zeigen wird

  2002 Das Jahr des Donau- und Elbehochwassers. Schon über ein Jahr war seit dem Erörterungstermin vergangen, als eine sommerliche 5b-Wetterlage die Regenmassen nach Bayern, Österreich, Tschechien und Sachsen brachte. Nun wurden auf einmal ganz viele hellwach (einschließlich des RP, bei dem das Verfahren friedlich ruhte) und fragten besorgt, wo denn der Kölner Hochwasserschutz geblieben sei. Die BI brauchte sich nicht zu beteiligen. Sie hatte die ganze Zeit über gefragt, wurde aber geflissentlich überhört. Neben Unflätigkeiten von hoher Stadtebene bescherte uns das ein „Sofortprogramm“, in dem sich alte Bekannte von 1996 wiederfanden („Sofortmaßnahmen“ aus dem Hochwasserschutzkonzept; natürlich alles noch unerledigt, bis auf den Schutz der Köln-Messe: Klar, so etwas hat absolute Priorität in der Stadt der Händler und Krämer): In neun Monaten sollte das Aufgabenpaket erledigt sein, versprach Prof. Dören. Auch wurde ein alter Plan der BI-Hochwasser neu verpackt und als der eigene ausgegeben: Realisierung des Hochwasserschutzes im Auenviertel in zwei Etappen. Erst der Deich bis 9,40m, dann später zusammen mit dem Pumpwerk der Rest. Die BI war so frei, nicht in den allgemeinen Jubel einzustimmen.

  2003 begann äußerst vielsagend: Keine vier Tage alt ließ es den Rhein schon wieder ins Auenviertel strömen, und zwar kräftig. Satte 9,71m Kölner Pegel bescherte uns das höchste Hochwasser seit 1995 und verdächtig nah an der 10 Meter-Marke. Und angesichts einer unklaren Abflusslage hatte es Prognosen gegeben, die weit über 10 Meter lagen. Jetzt erinnert man sich wieder an die „Sofortmaßnahmen“ und geht sofort in die Medienoffensive. Wieder werden Schuldige gesucht und nicht gefunden. Es ist zum Verzweifeln. Der Streit Stadt – BI eskaliert und mündet schließlich in eine wachsweiche Kooperationsvereinbarung. Prof. Dören entschließt sich auf seine Weise zum Handeln (die "neun Monate" waren ja auch schon vorbei) und verlässt die Stadtverwaltung: Hochwasserriskantes Bauen im Rheinauhafen verspricht da mehr. Und die Stadtpolitik hat ein neues Problem. Sie muss den Hochwasserschutz neu strukturieren und braucht dafür bis zum Jahresende. In dieser schweren Zeit kann leider nichts gebaut werden. Kommt neues Jahr, kommt neues Glück...

  2004 beginnt trotz der üblichen Drohgebärden des Rheins sehr hoffnungsvoll. Zum Einstand hat Hubertus Oelmann (nunmehr Vorstand der StEB) einige Hundert Meter Aqua-Barrier „extra hoch“ besorgt und gezeigt, dass er beabsichtigt, die Mittel dann zu kaufen, wenn sie benötigt werden. Zwar erschrickt sich der Rhein ob der neuen Sperren und steigt nicht weiter, aber die Geste zählt. Und obwohl die Bezirksregierung ja die alte geblieben ist und mit bewährter Mischung aus Inkompetenz und Beharrungsvermögen die Dinge weiter laufen lässt wie immer, wird das Wunder wahr:
Im Frühsommer 2004 – mehr als zehn Jahre nach dem Hochwasser von 1993 – beginnt der Bau des Hochwasserschutzes an der Rodenkirchener Uferstraße.


So liest sich eine Kölner Erfolgsgeschichte.

Klar, man darf nicht unbescheiden sein. Es gibt ja noch andere schutzbedürftige Abschnitte am Kölner Rhein, für die "mit Hochdruck" geplant werden muss. Da fällt nur noch auf, dass das städtische Schadengutachten im Auftrag der Stadt dem Gebiet von Rodenkirchen das höchste Risikopotential bescheinigt hat und die Menschen an der Uferstraße stets als erste "dran" sind, früher noch als Poll und Niederkassel im Norden.
Aber Schluss mit Zweifeln, es geht ja jetzt auch langsam wirklich los...
Vielleicht sogar bald überall.

9.Juni 2004 (TK)



Gehört vielleicht bald der Vergangenheit an?
Diskussionen an der überaus nützlichen Notwand (AQUA BARRIER)
Yvonne Wieczorrek und Reinhard Vogt (Hochwasserschtuzzentrale) im Gespräch mit Rodenkirchenern




Baustraße mit Modell der späteren Mauerkrone



Oben werden später die mobilen Elemente aufgesteckt



Festgesellschaft beim offiziellen "Ersten Spatenstich" (v.r. Umweltministerin Bärbel Höhn; dahinter: Falco Nettekoven [AQUA BARRIER - Protagonist]; Bürgervereinigungsvorsitzender Dieter Maretzky; Dezernent Udo Jesemann von der Bezirksregierung; Klaus Heegewaldt [CDU-Stadtbezirk]; Günter Bernau [BI-Hochwasser]



StEB-Vorstand Hubertus Oelmann begrüßt die Gäste



Hochwasserschutz-Zentralen-Chef Reinhard Vogt



Yvonne Wieczorrek (Hochwasserschutzzentrale) und vorne: Gerhard Müller [BI-Vorsitzender]