Offizieller Baubeginn des konstruktiven Hochwasserschutzes im Auenviertel (PFA 4)
Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt – wie wahr, wie bitter wahr!
Noch mehr vielleicht die Geduld ...
Am 8. Juni 2004 setzten Ministerin Bärbel Höhn, StEB-Chef Hubertus Oelmann und weitere öffentliche Personen symbolisch die Baumaschinen für die ersten Baustellen in Gang,
Nach schier endlosen Verzögerungen und wenig zupackender amtlicher Planung scheint nun doch noch alles gut zu werden.
Mehr als zehn Jahre nach dem ersten Schock, dem sogenannten Weihnachtshochwasser im Jahre 1993, ist der erste Bauabschnitt in Rodenkirchen im Gange. Glückauf, ihr Helden!
Die Chronik in Kürze
24. Dezember 1993 "Weihnachtshochwasser" in Köln, mit 10,63 m Kölner Pegel fast genau so hoch wie das erste Jahrhunderthochwasser im Jahre 1926.
1995 Zweites "Jahrhunderthochwasser" Anfang des Jahres mit 10,69m Kölner Pegel, diesmal auf den Zentimeter identisch mit dem Hochwasser von 1926. Den meisten wird nun klar, dass etwas nicht stimmt und man die Ursachen für das vermehrte Auftreten von Hochwässern ergründen sollte.
1996 Am 1. Februar verabschiedet der Rat der Stadt Köln das Hochwasser-Schutzkonzept, das den Hochwasserschutz sicherer machen und gleichzeitig Raum für den Fluss bereithalten soll. Für den Bereich der Uferstraße wird ausgeschlossen, dass ein Schutz gegen ein 11,30m-Hochwasser möglich sei. Dieser kann angeblich nur weiter im Hinterland längs des Auenweges errichtet werden. Vorne soll es einen kleinen Deich geben, der mit mobilen Elementen auf 10,70m Schutzhöhe aufgestockt werden kann. Die Bürgerinitiative Hochwasser war zu diesem Zeitpunkt schon heftig am Zweifeln und verlegte sich aufs laute Nachdenken und Briefschreiben.
1997 Ende des Jahres wird überraschend entdeckt, dass ein Schutz auf 11,30m in vorderster Linie doch möglich ist und - so vermuteten wir schlau - wahrscheinlich sogar billiger. Na schön, da würde es ja bald losgehen. Eine Verteidigungslinie anstelle von zweien: Das muss ja schneller gehen.
1998 war ein Jahr der Hoffnungen und Planungen, aber auch der Warnschüsse: 9,49m-Hochwasser mit erneut vollgelaufenem Auenviertel. Das bremste wohl auch die Planer stärker als erwartet. Dennoch wird aufgrund der inzwischen ausgereifteren Technik mobiler Wände deren geplante Höhe von 180 auf 200 cm vergrößert. Das hätte einen entsprechend niedrigeren Deich zur Folge.
1999 entwickelte sich dramatisch und weckte neue Hoffnungen. Wieder steigt der Rhein und der Leiter der Hochwasserschutzzentrale ist allein zu Haus. Wieder einmal droht das Auenviertel abzusaufen. Seit fast drei Jahren liegt die BI-Hochwasser der Stadt in den Ohren, doch endlich ein paar Hundert Meter mobile schwedische Aqua-Barrier-Elemente anzuschaffen. Was tut Vogt? Er tut es. Er findet einen Spitzenbeamten, der die Bestellung unterschreibt und der ewig nasse Stadtteil Rodenkirchens bleibt trocken. Viele erinnern sich noch an das denkwürdige Februarhochwasser mit 8 Meter 88 Kölner Pegel. Leider geht kein Ruck durch das Amt für Brücken und Stadtbahnbau, das beim konstruktiven Hochwasserschutz ja nun beflügelt an Tempo zulegen könnte. Könnte, aber eben nicht muss...
2000 Nachdem wieder mal vieles schiefgelaufen war und die Anwohner von einer hoheitlich herschaftlich planenden Verwaltung gehörig verladen worden waren (was das Qualmwasserpumpwerk anbelangt), bekam die Bezirksregierung es mit der Angst zu tun und zwang die Stadt, das unselige Pumpwerk in das Planfeststellungsverfahren hineinzunehmen. Das hieß: Neue Offenlage, die man im Spätherbst gerade noch so hinbekam.
2001 brachte uns die Erörterung, schon emotional aufgeheizt wegen des Pumpwerkskonflikts, der der Bezirksregierung weit über hundert Einsprüche beschert hatte. Nun begann das Warten. Das Jahr hatte natürlich wieder turbulent begonnen: Ein 9,38m-Hochwasser im März, das mit provisorischen Mitteln nicht gehalten werden konnte. Wieder einmal war das Auenviertel abgesoffen. In diesem Jahr geht die Oberaufsicht über den Hochwasserschutz auf den Beigeordneten Prof.Bela Dören über – eine verhängnisvolle Entscheidung, wie sich noch zeigen wird
2002 Das Jahr des Donau- und Elbehochwassers. Schon über ein Jahr war seit dem Erörterungstermin vergangen, als eine sommerliche 5b-Wetterlage die Regenmassen nach Bayern, Österreich, Tschechien und Sachsen brachte. Nun wurden auf einmal ganz viele hellwach (einschließlich des RP, bei dem das Verfahren friedlich ruhte) und fragten besorgt, wo denn der Kölner Hochwasserschutz geblieben sei. Die BI brauchte sich nicht zu beteiligen. Sie hatte die ganze Zeit über gefragt, wurde aber geflissentlich überhört. Neben Unflätigkeiten von hoher Stadtebene bescherte uns das ein „Sofortprogramm“, in dem sich alte Bekannte von 1996 wiederfanden („Sofortmaßnahmen“ aus dem Hochwasserschutzkonzept; natürlich alles noch unerledigt, bis auf den Schutz der Köln-Messe: Klar, so etwas hat absolute Priorität in der Stadt der Händler und Krämer): In neun Monaten sollte das Aufgabenpaket erledigt sein, versprach Prof. Dören. Auch wurde ein alter Plan der BI-Hochwasser neu verpackt und als der eigene ausgegeben: Realisierung des Hochwasserschutzes im Auenviertel in zwei Etappen. Erst der Deich bis 9,40m, dann später zusammen mit dem Pumpwerk der Rest. Die BI war so frei, nicht in den allgemeinen Jubel einzustimmen.
2003 begann äußerst vielsagend: Keine vier Tage alt ließ es den Rhein schon wieder ins Auenviertel strömen, und zwar kräftig. Satte 9,71m Kölner Pegel bescherte uns das höchste Hochwasser seit 1995 und verdächtig nah an der 10 Meter-Marke. Und angesichts einer unklaren Abflusslage hatte es Prognosen gegeben, die weit über 10 Meter lagen. Jetzt erinnert man sich wieder an die „Sofortmaßnahmen“ und geht sofort in die Medienoffensive. Wieder werden Schuldige gesucht und nicht gefunden. Es ist zum Verzweifeln. Der Streit Stadt – BI eskaliert und mündet schließlich in eine wachsweiche Kooperationsvereinbarung. Prof. Dören entschließt sich auf seine Weise zum Handeln (die "neun Monate" waren ja auch schon vorbei) und verlässt die Stadtverwaltung: Hochwasserriskantes Bauen im Rheinauhafen verspricht da mehr. Und die Stadtpolitik hat ein neues Problem. Sie muss den Hochwasserschutz neu strukturieren und braucht dafür bis zum Jahresende. In dieser schweren Zeit kann leider nichts gebaut werden. Kommt neues Jahr, kommt neues Glück...
2004 beginnt trotz der üblichen Drohgebärden des Rheins sehr hoffnungsvoll. Zum Einstand hat Hubertus Oelmann (nunmehr Vorstand der StEB) einige Hundert Meter Aqua-Barrier „extra hoch“ besorgt und gezeigt, dass er beabsichtigt, die Mittel dann zu kaufen, wenn sie benötigt werden. Zwar erschrickt sich der Rhein ob der neuen Sperren und steigt nicht weiter, aber die Geste zählt. Und obwohl die Bezirksregierung ja die alte geblieben ist und mit bewährter Mischung aus Inkompetenz und Beharrungsvermögen die Dinge weiter laufen lässt wie immer, wird das Wunder wahr:
Im Frühsommer 2004 – mehr als zehn Jahre nach dem Hochwasser von 1993 – beginnt der Bau des Hochwasserschutzes an der Rodenkirchener Uferstraße.
So liest sich eine Kölner Erfolgsgeschichte.
Klar, man darf nicht unbescheiden sein. Es gibt ja noch andere schutzbedürftige Abschnitte am Kölner Rhein, für die "mit Hochdruck" geplant werden muss. Da fällt nur noch auf, dass das städtische Schadengutachten im Auftrag der Stadt dem Gebiet von Rodenkirchen das höchste Risikopotential bescheinigt hat und die Menschen an der Uferstraße stets als erste "dran" sind, früher noch als Poll und Niederkassel im Norden.
Aber Schluss mit Zweifeln, es geht ja jetzt auch langsam wirklich los...
Vielleicht sogar bald überall.
9.Juni 2004 (TK)

Gehört vielleicht bald der Vergangenheit an?
Diskussionen an der überaus nützlichen Notwand (AQUA BARRIER)
Yvonne Wieczorrek und Reinhard Vogt (Hochwasserschtuzzentrale) im Gespräch mit Rodenkirchenern

Baustraße mit Modell der späteren Mauerkrone

Oben werden später die mobilen Elemente aufgesteckt

Festgesellschaft beim offiziellen "Ersten Spatenstich" (v.r. Umweltministerin Bärbel Höhn; dahinter: Falco Nettekoven [AQUA BARRIER - Protagonist]; Bürgervereinigungsvorsitzender Dieter Maretzky; Dezernent Udo Jesemann von der Bezirksregierung; Klaus Heegewaldt [CDU-Stadtbezirk]; Günter Bernau [BI-Hochwasser]

StEB-Vorstand Hubertus Oelmann begrüßt die Gäste

Hochwasserschutz-Zentralen-Chef Reinhard Vogt

Yvonne Wieczorrek (Hochwasserschutzzentrale) und vorne: Gerhard Müller [BI-Vorsitzender]