U-Bahn-Desaster in Köln und Hochwasser Drucken E-Mail
Samstag, 27. Februar 2010 um 23:26 Uhr

Langsam nimmt das Elend monströse Züge an

Vertrauensbildende Maßnahmen scheitern

Hochwasser und Grundwasser - Rodenkirchen auf kleine Frühjahrswelle vorbereitet

Köln, im Februar 2010: Nachdem in der Domstadt niemand mehr niemandem vertraut, fand am 24. Februar im Ballsaal der feinen kölnischen Gesellschaft, dem ehrwürdigen Gürzenich eine "Informationsveranstaltung für Anlieger der Nord-Süd Stadtbahn Köln" statt. Der Chronist der Bürgerinitiative war dabei und hielt bis zum Ende (23:30) durch.

 Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen - unter diesem unausgesprochenen Motto hatte die Stadt Köln, KVB und Arge Los-Süd betroffene Anwohner und Interessierte in den Gürzenich geladen. Etwa 300 (500?) waren gekommen. Zu viele für ein ruhiges Gespräch, aber dennoch weniger als erwartet - oder muß man schon sagen: befürchtet?

Nicht zuletzt der heftige Medienauftrieb mit Kameras und Mikrophonen und die auffällige Präsenz einer großen Zahl von Security-Kräften luden die ohnehin gespannte Atmosphäre zusätzlich auf.
War es Absicht oder nur unfreiwillige Komik, daß Gudrun Meyer von der KVB-Pressestelle den Anwesenden einen veritablen Elferrat vorzustellen hatte. Die Bühne war jedenfalls gut gefüllt, und mit dem für später erwarteten OB Roters (der übrigens  dann nicht mehr kam) wären es 12 gewesen, die aufklären und für neues Vertrauen stehen wollten. 20100224_flutung_heumarkt

Viele Fragen blieben offen, was die Sorgen der versammenlten Anwohner bezüglich der beabsichtigten Flutung der Baustelle Heumarkt betraf.
Es wurde nicht deutlich, daß Zwischenflutungen bei derartigen Projekten nicht ungewöhnlich und deshalb Teil  der üblichen Planungen sind. Dies mit prominenten Beispielen aus jüngster Zeit zu belegen (U-Bahn Berlin-Mitte) wurde erst gar nicht versucht.
Die jüngst in Rodenkirchen gebaute Maternus-Tiefgarage wurde auch in offener Bauweise (und ohne Pumpen) erstellt und mußte über Wochen ruhen, weil der einen halben Kilometer entfernte Rhein die Grube meterhoch mit Grundwasser füllte.
Das ist eben bei einer Stadt am Rhein so: Früher schon und auch in Zukunft...

Weitere Beispiele für die inhaltlich eher unglückliche Veranstaltung - in merkwürdigem Gegensatz zu dem fast schon übertrieben Sicherheitsrahmen mit großem Auftrieb von KVB-Ordnern und Security-Bodyguards:

> Die Ablaufplanung mit einer Un-Menge Fachreferaten ließ eher einen wissenschaftlichen Workshop vermuten, nicht aber eine verzweifelte Krisenintervention, um fünf vor zwölf einen sozialen Flächenbrand schnell noch zu löschen.
> Hierfür braucht es doch eher behutsame, einfühlsame, wenn nicht gar demütige Gesten für eine beabsichtigte Umkehr. Weder der imperiale Gestus eines bodyguardbescützten Megapodiums noch die schon erwähnte Referate-Tagesordnung deuten in diese Richtung.
> Mit Händen zu greifen: Die gereizte Atmosphäre auf dem Podium. Symptomatisch der Versuch von Arge-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Stefan Roth, das Betreiben der illegalen Bunnen am Waidmarkt der KVB in die Schuhe zu schieben*). Wie soll da Vertrauen entstehen?
Wie überhaupt gefragt werden muß, ob eine solche Großveranstaltung nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.

Noch mehr Fragen blieben offen, wenn es rückschauend um die Zusammenhänge ging, die zum Einsturz des Historischen Archivs geführt haben. Die Strategie war eindeutig: Vertrösten und das Reizwort "Verantwortung" vermeiden.

Ob die Tatsache, daß die Bezirksregierung Düsseldorf nach dem Unglück die Technische Aufsicht wieder an sich gezogen hat, ein Grund zur Beruhigung ist, mag füglich bezweifelt werden. Der schon groteske Auftritt dieser Behörde in der ZDF-Sendung Frontal 21 läßt viele Frage offen. Zu viele...
(Mediathek + Sendemanuskript vom 23.02.2010) 


*) Anmerkung
Wörtlich sagte Roth: 20100224_heumarkt_stuetzung600_txt
„Es war ein formaler Fehler der Arge, diese [zusätzlichen Brunnen] der zuständigen Behörde nicht zu melden. Aber Sie können sich vorstellen, daß über einen langen Zeitraum in Absprache,  mit Zustimmung natürlich auch der Auftraggeberin passiert ist. Diese Brunnen sind nicht einfach so da hineingebaut worden. Es hat dazu immer wieder tägliche Runden gegeben. Es hat seinen Grund gehabt, warum diese Brunnen gebohrt wurden.
Also insofern: Aus der öffentlichen Wahrnehmung – ich habe selber die Berichterstattung mitbekommen, hat das Amt (?) es sicher nicht wissen müssen…“
(Zwischenruf: Wie bitte? Das ist ein Skandal! Das ist den zwei Toten gegenüber ein Skandal! Und mit meinem Leben spielen Sie nicht…und mit meinen Mitbürgern! Das ist eine Unverschämtheit, was Sie da sagen…)
[Transkript aus der Sendung von ksta-tv / TK]

 Nachtrag 3.3.10: Bericht von der Versammlung im aktuellen NRhZ-Online-Flyer

In Rodenkirchen laufen derweil die Routinevorbereitungen für das Hochwasser. 20100227_hubtor1Das Hubtor an der Kirchstraße wird in Stellung gebracht - erstmalig übrigens mit der kompletten mobilen Aufstockung für ein BHW100 (100-jährliches Bemessungshochwasser). Das bedeutet nicht, daß aktuell ein solches Ereignis erwartet wird. Da jedoch in hochgefahrener Position die mobilen Elemente nicht nachträglich aufgesetzt werden können, wird das Tor immer komplett eingesetzt. Sicher ist sicher... 

20100227_hubtor2

Abends erstrahlt zur Zeit das Pumpwerk an der Schönhauser Straße in gedämpftem ROT: 20100227_pw_rot2_0617Für den Kundigen der unübersehbare Hinweis, daß der Rhein Hochwasser führt. Denn je nach Rheinpegel wechselt die Beleuchtung: (LINK zur Steuerung und den Farbzuordnungen).
Im Jahr 2004 informierte
koelnarchitektur.de über den Wettbewerb zur Pumpwerksplanung in einem ausführlichen Bericht.

 

Die aktuelle Hochwasserwelle ist Anlaß für eine nähere Betrachtung der Grundwassersituation in Rodenkirchen - im übrigen gibt es hier keinen Grund zur Besorgnis - im Gegensatz zur Kölner Innenstadt.

Die VDI-Nachrichten haben einen recht informativen Artikel zur Problematik der U-Bahn-Baustelle Heumarkt veröffentlicht. Bei ihnen gibt es auch die einzige halbwegs vertrauenswürdige Bauskizze:heumarkt_querschn_vdi

 

 

 

 

 

 [letzte Aktualisierung: 03.03.2010] TK