| Artenzuwachs und Artenwandel im Retentionsraum Söllingen-Greffern |
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| Freitag, 03. Juli 2009 um 09:00 Uhr |
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Schon lange verfolgen die Bürgerinnen und Bürger in den hochwassergefährdeten Wohngebieten Kölns die Planung und Realisierung von Rückhalteräumen am Oberrhein mit großem Interesse. Immerhin hat die Rheinkorrektur und die Eindeichung des größten Teils des früheren Überflutungsgebietes das Hochwasserrisiko am Mittel- und Niederrhein entscheidend erhöht. [Pressemitteilung des RP Karlsruhe vom 30.06.20009]
Das Regierungspräsidium Karlsruhe (Landesbetrieb Gewässer) ist Betreiber des Rheinpolders Söllingen / Greffern, einer Hochwasserschutzmaßnahme in der Altaue südlich von Rastatt. Der im Rahmen des Integrierten Rheinprogrammes gebaute Rückhalteraum hat eine Fläche von 580 Hektar und ein Fassungsvermögen von zwölf Millionen Kubikmeter Rheinwasser. Er soll - zusammen mit weiteren bereits umgesetzten oder geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen am Oberrhein - den Schutz der Bevölkerung vor einem 200-jährlichen Hochwasserereignis sicherstellen. Nach Investitionen von etwa 76 Millionen Euro und einer Bauzeit von sieben Jahren wurde der Polder im November 2005 offiziell seiner Bestimmung übergeben. Seitdem läuft der Probebetrieb, der Voraussetzung für das endgültige Betriebsreglement ist.
Gemäß Planfeststellungsbeschluss werden seit 2005 so genannte „Ökologische Flutungen“ im Polder durchgeführt. Diese Ökologischen Flutungen erfolgen in Abhängigkeit vom Rheinwasserstand. Sie sollen ein möglichst auentypisches Abflussgeschehen im Polder nachbilden und damit der Wiederherstellung beziehungsweise Verbesserung von charakteristischen Lebensräumen der Flussaue mit ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt dienen.
Eine weitere Auflage des Planfeststellungsbeschlusses des Landratsamtes Rastatt aus dem Jahr 1998 zum Polderbau besagt, dass nach Inbetriebnahme über einen Zeitraum von zehn Jahren ein „Biomonitoring“ vorzunehmen ist, um die Auswirkungen der Ökologischen Flutungen und der Flutungen zur Hochwasserentlastung über diese Zeitdauer hinweg zu untersuchen, zu dokumentieren und zu beurteilen.
Im Jahr 2007 konnte mit einem umfangreichen biologischen Untersuchungsprogramm im Poldergebiet begonnen werden. Dieses wird gegenwärtig im dritten Jahr fortgeführt. Münden werden die dabei gewonnenen Erkenntnisse in Vorschlägen zur Optimierung der Polderbetriebsführung. Sie dienen zudem der ökologischen Erfolgskontrolle im Hinblick auf die Ziele der Auenrenaturierung im Integrierten Rheinprogramm.
Das Untersuchungsprogramm für den Polder Söllingen / Greffern umfasst insgesamt 16 so genannte „Indikatoren“, die die ökologischen Veränderungen im Polder anzeigen sollen, zum Beispiel die Pflanzenbestände, Libellen, Fische, Amphibien und die Vogelwelt. Es sind zehn verschiedene Umweltbüros beziehungsweise Fachgutachter mit Untersuchungen beauftragt, die mit rund 15 fachlich hoch versierten Mitarbeitern vor Ort und im Labor für die Untersuchungen im Einsatz sind. Die Geländearbeiten finden im Wesentlichen in den Monaten März bis Oktober eines Jahres statt.
Gesondert werden regelmäßig seit 2006 im Polder die Stechmücken durch die KABS erfolgreich bekämpft und untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden ebenfalls einbezogen. Bei jährlichen Treffen in der Polder-Betriebszentrale in Greffern werden die Untersuchungsergebnisse diskutiert und schließlich in Einzelberichten und einem zusammenfassenden Jahresbericht dokumentiert.
Die Ergebnisse aus den ersten beiden Untersuchungsjahren wurden nun anlässlich eines Informationstermins am 30.06.2009 bei der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Rastatt, vorgestellt. Teilgenommen haben, neben dem Projektkoordinator (Spang. Fischer. Natzschka. GmbH, Walldorf), auch die fachlichen Begleiter der Untersuchungen: die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW, Karlsruhe) und das Regierungspräsidium Freiburg, das auch die Federführung im Integrierten Rheinprogramm innehat.
Zu den Untersuchungsergebnissen der Jahre 2007 und 2008 wurde dabei zusammenfassend festgestellt, dass die Prognose aus den Umweltverträglichkeitsstudien zum Polderbau, nämlich dass überflutungsangepasste, auentypische Tiere und Pflanzen durch die Ökologischen Flutungen zunehmen und aueuntypische Arten abnehmen werden, bei einigen Indikatoren bereits nach dieser kurzen Zeit gut bestätigt werden konnte. Zu einer Absicherung sind jedoch weitere Erhebungen unerlässlich. Im Vergleich zu früheren anderweitigen Untersuchungen hat die Zahl der Fischarten im Polder deutlich zugenommen.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen aber auch deutlich die Notwendigkeit, die Ökologischen Flutungen für die Anpassung der Lebensgemeinschaften auf zukünftige Überflutungsereignisse fortzusetzen und insbesondere auch in die Vegetationszeit einzubeziehen.
Das biologische Untersuchungsprogramm wird für die Jahre 2007 bis 2009 insgesamt rund 750.000 Euro kosten. Es wird im Rahmen des Integrierten Rheinprogramms finanziert.
Weitere interessante Informationen zum Polder Söllingen / Greffern findet man unter folgender Internet-Adresse: www.rp-karlsruhe.de mit Eingabe des Suchbegriffs: Polder. _ _ _ _ _ _ _ _ _ Die online-Zeitung KA-NEWS berichtete am 1. Juli ebenfalls zu Auswirkungen der ökologischen Flutungen in Retentionsraum Söllingen-Greffern
Verwandte NEWS: Rückhalteraum Breisach kommt in Bewegung: Klage zurückgenommen 30.06.2009 Links / Dokumente:
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