Ausführlicher Bericht im Kölner Bilder-Bogen Nr. 561 (12/2005) 22. November 2005
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| Ralph Tiesler, Leiter des Zentrums für Krisenmanagement und Katastrophenhilfe beim BBK |
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| Ein gern gesehener Gast |
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Mitgliederversammlung der Bürgeinitiative Hochwasser– Vorstand wiedergewählt - Umfassend über den Stand der Dinge informiert
Zur Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Hochwasser, Altgemeinde Bodenkirchen e.V. (BI), im Maternus-Seniorenwohnheim konnte Gerhard Müller über vierzig Teilnehmer begrüßen. Der Vorsitzende wurde ebenso wie sein Stellvertreter Thomas Kahlix, Kassenwart Günter Bernau und Schriftführer Thomas Sandvoß in seinem Amt bestätigt. Müller betonte im Tätigkeitsbericht die „sehr intensive Zusammenarbeit" mit der Bürgervereinigung Rodenkirchen e.V. und ihrem Vorsitzenden Dieter Maretzky, etwa bei der Unterstützung der Polderklage und im Netzwerk Rodenkirchener Vereine. Auch habe man gemeinsam das Aktionsbündnis gegen den Ausbau des Godorfer Hafens wieder belebt.
Im weiteren Verlauf informierten Anwohner über den Fortgang bzw. die Probleme des Hochwasserschutzes in den Planfeststellungsabschnitten (PFA) 1 bis 5. Danach ist der PFA 1 (Godorf bis Linde Mauer in Sürth) seit dreieinhalb Jahren planfestgestellt. Auf eine erste folgte eine zweite Änderung, die im September 2005 beschlossen wurde. Noch in diesem Jahr soll mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Für den PFA 2 (Sürth/Weiß) erfolgt aktuell die Offenlage der zweite Änderung des Planes. Der Vertreter des PFA 3 (Weiß/Rodenkirchen, Malerviertel) betonte, dass die zukünftige, siedlungsnahe Dammlinie gegen die Wünsche der Anlieger beschlossen worden sei. Deren Alternative, die noch dazu 7 Millionen Euro preiswerter geworden wäre, habe man leider ignoriert. „Damit haben wir auch, was das Grundwasser betrifft, einen schlechteren Schutz, als das Auenviertel." Baubeginn soll voraussichtlich im 3. Quartal 2006 sein, Bauende 2008. „Aber ich warne davor, sich auf diese zeitlichen Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe zu verlassen ", sagte der Berichterstatter. Abschließend freute er sich, dass der Vorstoß des Stadtplanungsamtes, eine landwirtschaftliche Fläche im „gesetzlich festgelegten Retentionsraum" im Bereich Am Stumpelrott/Fuchskaulenweg als Baugebiet in Erwägung zu ziehen, von der Bezirksvertretung gestoppt wurde. „Stimmt", fügte Maretzky an. „Und am Tag der Rats-Ausschusssitzung wurde das Thema von der Verwaltung von der Tagesordnung genommen, doch es gibt keine klare politische Entscheidung", befürchtete er, dass das Thema irgendwann wieder aufgekocht werde. Der Vertreter des Rodenkirchener Auenviertels (PFA 4) konstatierte ein zügiges Vorankommen der Arbeiten. „Das Auenviertel ist mit das glücklichste Viertel, weil hier viel passiert ist." Im April sei zudem das Pumpwerk planfestgestellt und dessen baldiger Baubeginn versprochen worden. Zur Zeit verfüge das Gebiet über einen stationären Hochwasserschutz bis 9,40 m KP, der bei Bedarf mit mobilen Wände auf 10 m KP erhöht werde. Für den PFA 5 (Bodenkirchen, Barbarastraße bis Brücke) ist laut Müller der Änderungsbeschluss im Oktober 2005 erfolgt. Zur Zeit sei der 800 m lange Abschnitt, „in dem wir es mit fünfzig bis sechzig unterschiedlichen Baustellen zu tun haben", ausgeschrieben. „Das ist eine sehr knifflige Angelegenheit. Jedes Haus muss einzeln angefasst werden."
Die Arbeit und Ziele der BI seien auf zahlreichen Veranstaltungen vertreten worden, sagte Müller. So habe man sich bei der IG Hahnwald und dem Lions Club vorgestellt. Man war bei der Ehrenamtsbörse auf dem Straßenfest in Rodenkirchen dabei und dem „Kultur in der Sackgasse" Fest in Weiß. 2006 soll es im Rahmen der „regionale 2010" eine Hochwasser-Konferenz geben, „die wir hoffen, mit prägen zu können".
Was die Klage gegen den planfestgestellten Polder Porz Langel/Niederkassel Lülsdorf betreffe, so Kahlix, werde man juristisch wohl nicht den erhofften Erfolg haben. Man sei zwar im Recht, könne es aber nicht einklagen. Trotzdem könne man erste Teilerfolge vermelden. Bezirksregierung und Stadt Köln seien zurück gerudert. Denn das nach Eingang der Klagebegründung von der Bezirksregierung beim Landesumweltamt in Auftrag gegebene und seit Ende 2004 vorliegende Gutachten habe die Wirkungslosigkeit des planfestgestellten Polders am Kölner Pegel (KP) festgestellt. Im Moment laufe das Planänderungsverfahren, in dem Einsprüche der BI berücksichtigt würden. Dabei soll die bei 10,90 KP angedachte feste Einlaufschwelle durch ein regelbares Wehr ersetzt werden. Würde das bei 11,30 m KP geflutet, sei laut Gutachten eine Pegelabsenkung von bis zu 4,5 cm möglich. „Damit wäre der Effekt eines Notfallraumes erfüllt ", meinte Kahlix. „Wir können das als Erfolg verbuchen. Wir werden einen Polder bekommen, der uns hilft." Andererseits werde leider unverändert die kleine Polder Lösung bevorzugt. Der umstrittene, fünf Meter hohe Deich, der den Rückhalteraum in zwei Teile gliedert und damit die „optimale Nutzung" der Fläche im Ernstfall verhindert, soll möglichst schnell gebaut werden, kritisierte Kahlix. Da sei es auch nicht tröstlich, dass im Falle eines Umdenkens oder bei Hochwasser die Sprengung des Deiches in Aussicht gestellt werde. „Weshalb erst mit viel Geld bauen und dann wieder einreißen?" Man kämpfe jedenfalls weiter um die Gesamtheit des Retentionsraumes in Langel Lülsdorf. Aber selbst wenn „wir die Klage, was die Größe der Polder angeht, gewinnen würden, bleiben rund 30.000 Euro Anwaltskosten übrig". Zwar habe man rund die Hälfte davon in den vergangen zwölf Monaten an Spenden eingenommen. Doch weitere Beträge seien dringend erwünscht: „Jeder Euro zählt." (Kölner Bank, Kto Nr. 485185186, BLZ 37160087, Stichwort „Polderklage")
„Der Hochwasserschutz ist ein Solidarpakt zwischen den Ober- und Unterliegen", wies Kahlix noch einmal auf die Notwendigkeit der Kooperation von Rheinanliegern hin. Dies sein keine moralische, philosophische Aussage, sondern ein wesentliches, notwendiges Unterfangen, um die Stadt vor Hochwasser zu schützen. Dabei könnten auch ökologische Flutungen hilfreich sein. „Forstwirtschaft, Naturschutz und Hochwasserschutz müssen keine Gegensätze sein", sprach Kahlix von einem „grandiosen Experimentierfeld". Ob jedoch das auf der linksrheinischen Freifläche unter der Rodenkirchener Autobahnbrücke vorgesehene Materiallager für Schutzelemente den richtigen Standort habe, bezweifelte er. Mit einer Länge von 25 Metern habe es vermutlich nicht nur Auswirkungen auf die Ästhetik. Über ein Gutachten will er daher geklärt wissen, welche Risiken und Potenziale der Standort und Umfang des Baues im Hochwasserfall bergen kann.
Als Gastredner konnte Müller schließlich Ralph Tiesler begrüßen. Er ist Leiter des Zentrums für Krisenmanagement und Katastrophenhilfe beim Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das BBK existiert seit einem Jahr. Sein Vorläufer war das Bundesamt für Zivilschutz, zuständig im Spannungs und Verteidigungsfall. Im BBK gehe es schwerpunktmäßig um Fragen des Krisenmanagements, so Tiesler. Als Informations und Dienstleistungsplattform für Bund und Länder bilde es eine Brücke zwischen Katastrophen und Zivilschutz. Dass von Tiesler geleitete Zentrum für Krisenmanagement und Katastrophenhilfe dient der Verbesserung des Informationsmanagements und der Krisenkommunikation. Dieser „Drehscheibe" stehen vier Instrumente zur Verfügung. Das Deutsche Notfallsystem, das satellitengesteuerte Warnsystem zur Alarmierung der Bevölkerung bei besonderen Gefahren, die Koordinierungsstelle für die (psychosoziale) Nachbetreuung von Opfern und Angehörigen sowie das Gemeinsame Melde und Lagezentrum (GMLZ). Letzteres bildet das Herzstück der Einrichtung. Es ist unter anderem Meldekopf für sämtliche Ereignisse in Deutschland, auch grenzüberschreitend, die im Zusammenhang mit dem Bevölkerungsschutz stehen. „Denn in der Zusammenschau ergeben sich neue Ergebnisse." Im GMLZ wird täglich ein Lagebericht der Republik und der Geschehnisse in der Welt erstellt, Schaden- und Gefahrenprognostik sowie Engpassressourcen Management betrieben.
Dazu zählen auch Ressourcen für den Hochwasserfall. So hat man sich aufgrund der Erkenntnisse aus dem Elbe-Hochwasser im August 2002 mit Hessen und Brandenburg verständigt, dass sie jeweils drei Millionen Sandsäcke ständig vorrätig haben. Als weiterer Partner ist das Technische Hilfswerk im Gespräch, das ebenfalls drei Millionen Sandsäcke für eine Soforthilfe in Düsseldorf lagert. Das GMLZ versteht sein umfassendes Angebot als Service.
„Wenn vor Ort Bedarf besteht, erreicht uns die Information und wir machen das Notwendige verfügbar." Der Service reicht also von der Ermittlung des Bedarfs über die logistische Planung und Erteilung von Aufträgen bis hin zur genannten Kooperation zwecks Einlagerung von sofort einsetzbaren Reserven. „Das GMLZ ist da, um Informationen verschiedener Art anderen Einrichtungen zugänglich z u machen", sagte Tiesler. „Wir vernetzen das, was an Einrichtungen zur Verfügung steht."
E. Broich (KBB)
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