Porta Westfalica: "Wohnen im Hochwasser?" Drucken E-Mail
Dienstag, 13. Januar 2004 um 01:00 Uhr
[Anderswo wird anders gedacht]

(1) Mindener Tageblatt - 8. Januar 2004

SPD-Politiker befürchtet "Wohnen im Hochwasser"

Baugebiet Ellerkamp: Umweltamt prüft, ob Projekt realisiert werden kann / Beigeordneter sieht keinen Grund zur Aufregung

PORTA WESTFALICA-HOLZHAUSEN(dh). Das Staatliche Umweltamt Minden (StUA) prüft zurzeit, ob im Ellerkamp in Holzhausen gebaut werden darf.

Die SPD hatte in der jüngsten Ratssitzung im Hinblick auf den vorbeugenden Hochwasserschutz und eine bevorstehende Gesetzesänderung die Aussetzung der Beratung beantragt. Diesem Antrag folgten schließlich alle Fraktionen und die Stadt schaltete das StUA ein.

Hintergrund für den Klärungsbedarf ist der vorliegende Referentenentwurf zum Hochwasserschutzgesetz, der angesichts der Katastrophen der Vergangenheit Baugebiete auch vor so genannten 200-jährigen Hochwasserereignissen geschützt wissen will. Bislang müssen 100-jährige Hochwasser ins Kalkül gezogen werden.

In der Ratssitzung hatte der Holzhauser SPD-Politiker Reinhard Geffert die Auffassung seiner Fraktion so zusammengefasst: "Wenn wir heute nach dem Motto ’Augen zu und durch’ beschließen, im Ellerkamp weiter zu planen, beschließen wir einen zeitlichen Wettlauf zwischen dem Füllfederhalter von Bundespräsident Johannes Rau, der das Gesetz im nächsten Jahr unterzeichnen wird, und dem Spaten unseres Bürgermeisters, der bei optimaler Beschleunigung der Planung vielleicht doch noch kurz vorher das erste Fundament ausheben kann. Doch solch ein Wettlauf wäre katastrophal. Er würde den Bürgern zeigen, dass wir für das geplante Wohngebiet mit dem zeitgemäßen Vermarktungsnamen ’Wohnen im Hochwasser’ alle guten Vorsätze, die auf den Deichen beschworen wurden, skrupellos über Bord werfen."

Angesichts der nackten Zahlen hält der Technische Beigeordnete Stefan Mohme die Aufregung um den Ellerkamp für überzogen. Der Unterschied zwischen dem 100 -jährigen und dem 200 -jährigen Hochwasserereignis bedeute in diesem Baugebiet einen Höhenunterschied von 38 Zentimetern. Da zusätzlich zum 100-jährigen Hochwasser für den Ellerkamp bei den Erdgeschosshöhen in Absprache mit der Fachbehörde noch ein Sicherheitspolster von 30 Zentimetern draufgelegt werde, streite man sich faktisch um acht Zentimeter. Mohme: "Daran sollte man eine Siedlungsentwicklung nicht scheitern lassen. Wenn es um ein Gebiet in Costedt mit freiem Zugang zur Weser ginge, könnte ich die Sorgen ja verstehen. Aber hier ist die Situation ganz anders. Wir wollen niemanden im Hochwasser bauen lassen."

Der Ellerkamp liegt zwischen der Bundesstraße 482 und der Straße Jungfernholz. Da die Stadt hier Grundbesitz hat, ist sie an einer Vermarktung des Gebietes stark interessiert. 30 Häuser könnten hier entstehen.

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(2) Mindener Tageblatt - 13. Januar 2004

"Keine Frage von acht Zentimetern"

SPD gegen Bebauung des Ellerkamps / Hinweis auf neues Gesetz

PORTA WESTFALICA-HOLZHAUSEN(mt). Zwischen dem Für und Wider einer Bebauung des Ellerkamps in Holzhausen liegen deutlich mehr als acht Zentimeter, meint die SPD-Fraktion. Sie widersprcht der Verwaltung, die faktisch kein Problem darin sieht, den von der SPD als hochwassergefährdet eingestuften Bereich zu bebauen (MT vom 8. Januar).
"Ob die dort geplanten zukünftigen Wohnzimmerböden bis zu 1,60 Meter oder sogar 1,68 Meter über der derzeitigen Grasnarbe liegen müssen, ist nicht das wirkliche Problem." Diese Frage stünde nach dem geplanten neuen Bundesgesetz zur Vermeidung von Hochwasserkatastrophen erst an, wenn in einem noch schnell genehmigten Baugebiet weitergebaut werden sollte. Der SPD-Antrag impliziere aber, dass hier gar nicht mehr gebaut wird. "Denn das neue Gesetz, wenn es von Bundespräsident Rau unterschrieben ist, verbietet für dieses Gebiet dann klipp und klar die Ausweisung eines neuen Baugebietes. Hier geht es also um verantwortliche Politik im Sinne des Katastrophenschutzes - auch wenn das schade für die Stadtkasse ist."

Jedes neu bebaute Überschwemmungsgebiet verhindere, dass sich das Hochwasser in die Fläche ausdehnen könne und lasse es deshalb überall höher steigen, schreibt die SPD. "Natürlich ist dieser Anstieg nur sehr klein, doch die Summe der vielen Anstiege in vielen Gebieten hier und anderswo produziert nachher die Katastrophe."

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