Streit um Rheinpolder - Bürgerinitiative hält geplante Rückzugsfläche für zu klein Drucken E-Mail
Donnerstag, 02. September 2004 um 01:00 Uhr
Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 205 - 02.09.2004
Bürgerinitiative hält geplante Rückzugsfläche für zu klein
Das Verwaltungsgericht muss über fünf Klagen entscheiden.
Von PETER BERGER

   


Graphik: KStA nach BI-UnterlagenWie viel Platz muss dem Rhein als Rückzugsfläche bei extremen Hochwasserlagen eingeräumt werden? Ein Polder mit 4,85 Millionen Kubikmetern im Rechtsrheinischen zwischen Langel, Lülsdorf und Ranzel ist nach Auffassung der Stadt Köln ausreichend, um die Stadt vor Hochwasser bis 11,30 Meter zu schützen. Dafür hat sie eine entsprechende Planungsentscheidung bei der Bezirksregierung erreicht. „Das ist viel zu wenig", sagt Gerhard Müller von der Bürgerinitiative Hochwasser Rodenkirchen. „Der Rückzugsraum, der dem Rhein heute zwischen Langel, Lülsdorf und Ranzel zur Verfügung steht, beträgt rund zehn Millionen Kubikmeter. Wir sollten ihn nicht unnötig verkleinern, weil wir die Spitze einer Hochwasserwelle um zehn Zentimeter senken können, wenn wir die ganze Fläche zur Verfügung haben."
Gegen die Planungsentscheidung der Bezirksregierung haben fünf Mitglieder der Initiative deshalb Klagen vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Solange die nicht entschieden sind, kann die Stadt mit den Arbeiten nicht beginnen.
In einer Vorstudie seien drei Varianten geprüft worden, erklärt Albert Mahn, Experte für konstruktiven Hochwasserschutz bei den Stadtentwässerungsbetrieben. Man habe sich für die mittlere Lösung mit 4,58 Millionen Kubikmetern entschieden, „weil bei der großen Lösung das Trinkwasserschutzgebiet des Wasserwerks Zündorf betroffen ist" und zudem eine Altdeponie bei Ranzel im Extremfall überflutet würde. Zudem sei die Kreisstraße 22, die mitten durch das Gebiet läuft, für mögliche Evakuierungen wichtig. Die Bürgerinitiative hält diese Argumente für wenig stichhaltig. „Brunnengalerien lassen sich vom Netz nehmen. Das wird in anderen Stadtteilen bei Hochwasser auch so gemacht", so Müller. Auch die Altlasten seien kein Argument. „Die Grundwasserströme orientieren sich auch heute nicht an „Altlasten-Katastern.“ Im Übrigen spreche man von einem Hochwasser, das statistisch gesehen einmal in 200 Jahren eintrifft.

- "Alter Deich muss erhöht werden" (Gerhard MÜLLER) -

Zweiter Streitpunkt zwischen der Stadt und der Bürgerinitiative ist die Frage, ab welchem Wasserstand der Polder geflutet werden soll. Bisher ist das bei 10,90 Meter vorgesehen. Das sei viel zu früh, sagt die Bürgerinitiative. Wenn das Hochwasserschutzkonzept in die Tat umgesetzt sei, habe Köln einen Schutz bis 11,30 Meter Kölner Pegel. Da reiche es völlig, wenn die beiden geplanten Einlasstore erst (ab 11,20. Meter geöffnet würden. Die Bürgerinitiative vermutet, dass die 10,90 Meter nur aus finanziellen Gründen festgelegt wurden. „Gingen wir auf 11,20 Meter, müsste der alte Deich komplett erneuert und erhöht werden. „Das ist offenbar zu teuer", so Müller.


(PETER BERGER [KSTA])
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