www.hochwasser.de | Das Hochwasserportal | Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V.
Pegel Köln vom 14.12.2018
295.00 cm Ganglinie Aktuell | Pegelarchiv
Letzter Stand: 11:30 Uhr
  • Schrift verkleinern
  • Standard wiederherstellen
  • Schrift vergrößern

Zehn Jahre Bürgerinitiative Hochwasser Köln-Rodenkirchen

Samstag, 03. Januar 2004 um 01:00 Uhr

EIGENER BERICHT

Zehn Jahre lang gerührt,
noch immer nix passiert!


Köln: Samstag, 3.Januar 2004
Erstes Wochenende im Jahre 2004

Heute Abend treffen sich die „Kämpferinnen und Kämpfer“ der ersten Stunde mit teils bekannten, teils weniger bekannten Mitstreitern der letzten zehn Jahre zu einem informellen aber geselligen Beisammensein.
Grund:
Zum Jahresende 1993 – sozusagen noch mitten im Weihnachtshochwasser – wurde mit viel Wut im Bauch die Bürgerinitiative Hochwasser Rodenkirchen gegründet.

Was ist in den zehn Jahren doch alles passiert:

· neue und schlimmere Hochwässer
· genial erfolgreiche Notwand aus Blech auf Rodenkirchener Hauptstraße und Auenweg
· Konzeption und Verabschiedung des Kölner Hochwasserschutzkonzepts durch die Stadt Köln
· aktive Mitarbeit des BI durch konstruktive Vorschläge und wachsame Kritik
· Solidarisierung auf Stadtebene (Hochwasserschutzgemeinschaft Köln)
· Solidarisierung auf Rheinebene (Hochwassernotgemeinschaft Rhein)
· gute Zusammenarbeit mit Hochwasserschutzzentrale und Helfern
· Erprobung und Anschaffung von „Aqua-Barrier“
· bürokratisches Mauern bei der Bezirksregierung
· endlich erste Planfeststellungen im Jahre 2003
· und: Durchpeitschen von hochwassergefährlichen Bauprojekten seitens der Stadt und der Bezirksregierung

Und was ist alles nicht passiert:

· kein einziger Schutzbau in Wohngebieten hingekriegt
· Planung im Schneckentempo durch quälend langsamen Planfeststellungsvorgang
· Schuldzuweisungen an die Bürgerinnen und Bürger durch die Stadt (Prof. Bela Dören)
· Sicherung der Professionalität (durch Personalabbau bei der Stadt)
· Sicherung der Professionalität (durch dringend nötige Übungen zur Vermeidung weiterer Pannen)
· konsequenter Erhalt von Flutungsräumen für 200-jährliches Hochwasser
· nachhaltige Solidarität bei der Presse und den Medien (ausgenommen Stadtteilredaktionen)


Wie alles anfing

Am 25. Dezember 1993 traten zwei Bewohner der Rodenkirchener Wilhelmstraße in ihren schnell noch von fliegenden Händlern ergatterten Wathosen auf die immer noch geflutete Straße. Sie hatten irgendwie das ungute Gefühl, dass die Schäden bei ihnen und ihren Nachbarn - ziemlich weit ab vom Rhein - in die Millionen gehen würden. Die beiden hatten einen ziemlich dicken Hals. Sie ahnten nämlich auch, dass der ganze Ärger nicht hätte sein müssen, wenn nur die Stadt besser vorbereitet ...
Bald war klar, dass noch viele andere die Faxen dick hatten. Und so trafen sich im Januar in der noch feuchten, aber schon wieder funktionsfähigen Viertelkneipe "Hinger dr Heck" (Hinter der Hecke;was aber nichts, aber auch gar nichts mit Hinterwäldlern zu tun hat...) an die 100 aufgebrachte Betroffene. Der Eindruck völlig überforderter Hilfskräfte und ratloser Organisatoren war noch so frisch, dass allen eines völlig klar war: So naiv werden wir nicht noch einmal sein. Das nächste Mal sind wir vorbereitet. Und die Stadt auch. Der werden wir Beine machen. Und prozessiert wird auch!
Das war die Gründung der Bürgerinitiative Hochwasser in Köln-Rodenkirchen.
Später wurde ein gemeinnütziger Verein daraus mit ungefähr 500 eingeschriebenen Mitgliedern. Dazu gehören auch Bürgervereinigungen und Eigentümergemeinschaften, so dass die Initiative die Hochwasserschutzinteressen von gut und gerne 4000 Bewohnern im Kölner Süden unterstützt. Und prozessiert wurde auch nicht. Jedenfall bis jetzt ...

Und notgedrungen musste sich die Bürgerinitiative im Laufe der Jahre Kenntnisse und Durchblicke aneignen, um in einer so komplizierten Sache wie Hochwasser ein kompetenter Gesprächspartner zu sein. Es zeigte sich aber auch, dass in den Augen vieler (nicht aller!) Bürokraten der informierte Bürger doch eine ziemliche Bedrohung darstellt. So blieben Konflikte nicht aus, besonders dann nicht, wenn schlecht und schlampig geplant und leichtfertig genehmigt wurde. Und es wurde schlecht und schlampig geplant! Und leichtfertig ...

  • Das vielgepriesene Kölner Hochwasserschutzkonzept basiert auf einer einzigen billigen Schönrechnerei. Hochwasserschutz bedeutet aber immer Verlust von Überflutungsfläche. Da genügen die Grundrechenarten.
  • Die Planung der Kölner Polder läuft in Wirklichkeit auf einen gewaltigen Verlust von Retentionsraum hinaus. Dennoch wird unbeirrt von „Gewinn“ gefaselt. So lügt man sich in die Tasche.
  • Im Malerviertel soll der Deich so nahe an die Häuser, dass man sich schon bei einem 100-jährlichen Hochwasser fragen muss, ob der Deich nicht brechen muss und vorher das Drängewasser alles illusorisch werden lässt.
  • Wenn Investoreninteressen es erfordern, wird der Deich bereitwillig nach vorn verlegt und die Hochwassergefahr vergrößert. Dabei missachtet die Bezirksregierung ihre eigenen Überschwemmungsgebiet-Verordnungen.
  • Der Schutz in der Altstadt könnte schon längst auf 11,30 Meter Kölner Pegel liegen, wenn die Verwaltung in der Schule in Physik besser aufgepasst hätte. So muss sich die Öffentlichkeit mit amtlichen Tunnel-Auftriebs-Märchen herumschlagen.
  • Die Bezirksregierung genehmigt reihenweise hochwassergefährliche Vorhaben, dass sich die Paragraphen biegen. Ausführungserlasse der Landesregierung werden übergangen.
  • und anderes mehr...


Uns wird die Arbeit in den nächsten zehn Jahren nicht ausgehen.
Packen wir’s an!
Hoffentlich erspart uns der Rhein bis dahin böse Überraschungen.

Und weil die Medien Wichtigeres zu tun haben, gratulieren wir uns selbst zum 10-jährigen Bestehen.
Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V.
www.hochwasser.de        info@hochwasser.de

(THOMAS KAHLIX)
Links/Dokumente:
Bilder vom Hochwasser 1993
Verwandte News: