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Pegel Köln vom 07.12.2019
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Einspruch gegen Polderplanung

Donnerstag, 07. August 2008 um 13:11 Uhr

Einspruch gegen die Planung zum Polder Langel/Lülsdorf (PFA 12)

Einspruch gegen die geplante Planfeststellung im Abschnitt 12 des Hochwasserschutzkonzepts Köln (Rückhalteraum Langel/Lülsdorf)

Der Einspruch richtet sich

  • gegen die geplante Größe  
  • gegen den geplanten Verlauf des neuen Schutzdeiches  
  • gegen die Schwellenhöhe (10,64 m) des Rückhalteraums in Verbindung mit einer Änderung der Schutzhöhe Kölner Altstadt und Zündorf
  1. Der durch das Geländeprofil gegebene Rückhalteraum beträgt mindestens 6,77 Millionen m³. Davon sollen 4,525 Millionen erhalten bleiben. Etwa 2,2 Millionen stehen dann nicht mehr zur Verfügung; das ist ein Verlust von einem Drittel. Das Wasserhaushaltsgesetz, der Aktionsplan Hochwasser der Rheinministerkonferenz und das Wohl der Unterlieger (von Köln bis in die Niederlande) erfordern nach meiner Ansicht die maximale Erhaltung. Der Schutz von 445 ha landwirtschaftlicher Fläche kann angesichts der Hochwassergefahr für die Region kaum mit dem Wohl der Allgemeinheit begründet werden.
     
  2. Der geplante neue Deich verläuft (insbesondere im Bereich nördlich Lülsdorf) nicht möglichst nah an der vorhandenen Bebauung, sondern hat teilweise einen deutlichen Abstand (mehrere Hundert Meter) und schützt somit unbebaute Flächen (Wiesen, Weiden?) von erheblicher Größe im gesetzlichen Überschwemmungebiet. Der Genehmigungsbehörde ist bekannt, das dies nicht zulässig ist. Die Argumentation der Bezirksregierung in der Auseinandersetzung um den Deichverlauf am Malerviertel in Köln-Weiß hat das deutlich gemacht.
     
  3. Der Rückhalteraum Langel-Lülsdorf ist (im Gegensatz zu den frei überflutbaren Flächen zwischen Langel und Zündorf und im Weißer Rheinbogen) der einzige stromaufwärts gelegene Polder auf  Kölner Stadtgebiet, der eine gezielte Einflussnahme auf den Ablauf des Hochwassers ermöglicht. Die Schwellenhöhe des gesteuerten Rückhalteraums liegt bei 10,64 m KP. Das bedeutet, dieser Polder soll nur die zukünftig auf 10,70 m KP geschützten Abschnitte Kölner Altstadt (zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke) und  Nieder-Zündorf entlasten. Steigt der Rheinpegel über diese Höhe an, werden diese beiden Gebiete überschwemmt. Gleichzeitig - und dies ist das entscheidende Argument - ist dann der Rückhalteraum Langel weitgehend erschöpft. Für den Fall, dass eine zweite Welle folgt, die 11,30 m KP für ein oder zwei Tage übersteigt, wäre eine Überflutung großer Teile des bewohnten Kölner Stadtgebietes unvermeidbar. Ein zu diesem Zeitpunkt noch leerer Rückhalteraum Langel mit einem Volumen von knapp 7 Millionen Kubikmetern könnte die entscheidende Entlastung bringen.

Deshalb fordere ich die Planungs- und Genehmigungsbehörden auf, den Polder Langel im Rahmen des Gesamtkonzepts neu zu überdenken und die Schwellenhöhe auf 11,30 m KP zu erhöhen.
Mit der offengelegten Planung werden ( grob geschätzt) einige Hundert Gebäude und weniger als tausend Menschen eine Entlastung erfahren. Folgt man jedoch dem hier gemachten Vorschlag, profitieren zusätzlich einige Hunderttausend Mitbürger und Sachwerte im Bereich von mehreren Milliarden DM von dem Speichervermögen des Rückhalteraums Langel. Auch für den weiteren Verlauf des Niederrheins wird eine messbare Wirkung unterstellt.

Technische Machbarkeit:  Die hier unterbreiteten Einwände zusammen mit den Alternativ-Vorschlägen erforden zusätzliche Aktivitäten bzw. Änderungen der Gesamtplanung

a. Abklärung der bisher nur vermuteten Altlasten im Bereich der potentiellen Polderfläche von 219 ha. Falls harmlos, kann alles so bleiben. Falls von den Altlasten bei Überflutung eine große Gefahr für die Umwelt ausgehen würde, müssen diese saniert werden. Das wäre allein schon deshalb erforderlich, weil auch ein Deich von 11,90 m KP keinen absoluten Schutz bedeutet und ein Hochwasser von über 200jährlicher Eintrittswahrscheinlichkeit dann ohnehin eine Umweltkatastrophe bedeuten würde. Im übrigen gibt es im Kölner Stadtgebiet Altlasten, die ebenfalls bereits bei einem Pegel von 11,30 m geflutet werden.

b. Der Schutz von Nieder-Zündorf muss auf 11,30 m KP erhöht werden (mobile Wände)

c. Der Schutz der Kölner Altstadt  muss ebenfalls auf 11,30 m KP erhöht werden (mobile Wände). Allerdings sollte hier die Schutzlinie auf jeden Fall auf die bebauungsseitige Kante des Rheinufertunnels zurückverlegt werden (Freihalten des wirksamen Abflussquerschnitts in einem sensiblen Bereich / Engpass)

Diese Vorschläge sind weder neu, noch ist ihre Durchführbarkeit zweifelhaft, wie die zwischenzeitliche Verbesserung der Schutzhöhe an der Uferstraße in Rodenkirchen zeigt. Insbesondere die angesichts einer Erhöhung um 60 Zentimeter immer wieder vorgebrachten Argumente zur statischen Anfälligkeit bzw. zum Aufschwimmen des Rheinufertunnels können vom Einwender nicht nachvollzogen werden. Daneben muss die Variante der Flutung des Tunnels ernsthaft geprüft werden.

Zusammenfassung:

Es wird bemängelt, dass in der offengelegten Planung des PFA 12

  • die im Überflutungsgebiet vermuteten Altlasten weder identifiziert, noch auf ihr wirkliches Gefährdungspotential hin untersucht und bewertet wurden (Kann ignoriert werden oder muss in jedem Fall saniert werden?)
  • keinerlei Wirkungsabschätzung weder für die vorgeschlagene Planung  noch für Alternativen enthalten ist (Bei welcher Hochwasserspitze der Fülle x  wäre welche Entlastung für welche Stadtteile zu erwarten?)
  • die Frage des Wohls der Allgemeinheit nicht abschließend abgewogen wird (Für wieviele Menschen / für welche Güter in welcher Höhe kann der geplante Polder optimiert werden?)
  • die Frage der Verhältnismäßigkeit im Sinne einer Kosten-Nutzen-Abwägung keine Rolle spielt (Welcher finanzielle Aufwand wird getrieben, um welche Güter zu schützen?)
  • die Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes und des Aktionsplans Hochwasser der Rheinministerkonferenz nicht ausreichend beachtet werden (De facto wird der aktuell zur Verfügung stehende Rückhalteraum verkleinert! Freiflächen werden geschützt!)
  • die vorgelegte Gesamtkonzeption die Situation der Mehrheit der Unterlieger verschlechtert.

Der Beschwerdeführer fordert hiermit eine Nachbesserung im Sinne der vorgetragenen Argumente ein.

Köln, den 15.11.2000                                                      Thomas Kahlix

Nachtrag:
Der Vorschlag hätte womöglich einen positiven Nebeneffekt. Da nämlich die Schutzhöhe für den Polder Langel  von aktuell 10,69 (+ Freibord) auf später 11,30 m KP (Sommerdeich, Einlassbauwerk) nahezu unverändert bleibt, wird auch die Akzeptanz der Planungen  bei den Landwirten und den Anwohnern in Niederkassel-Lülsdorf sich verbessern, zumindest was den Aspekt der befürchteten Drängewasser-Beeinträchtigung anbelangt.
Man sollte nicht vergessen: Insgesamt profitieren die Betroffenen in erheblichem Umfang. Der Hochwasserschutz der Bebauung wird von einem jetzt weniger als 50jährlichen Hochwasser auf ein 200jährliches aufgerüstet, während die übrigen z.T. dicht besiedelten Stadtgebiete [in Köln] nur gegen ein 100jährliches Ereignis geschützt werden. Nur in besonderen Fällen (große Umweltrisiken durch Industrie, keine Evakuierungschance) ist laut Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln ausnahmsweise ein 200jährlicher Schutz vorgesehen.

 

www.bv-luelsdorf-ranzel.de/retbecken1.html